Infos und Tipps zu Zahlen im Journalismus

Infos und Tipps zu Zahlen im Journalismus 

Zahlen sind ein fester Bestandteil des Journalismus. Schließlich sind Zahlen vielseitig einsetzbar, so dass mithilfe von Zahlen beispielsweise Ergebnisse ausgedrückt, Vergleiche und Rekorde dargestellt, Statistiken zusammengefasst oder Überschriften plakativ aufgewertet werden können.

Hinzu kommt, dass Zahlen in aller Regel sehr glaubwürdig wirken und insofern vom Leser kaum in Frage gestellt werden.

Gerade deshalb gilt aber, dass im Journalismus sehr vorsichtig mit Zahlen umgegangen werden muss. Reine Zahlen, selbst wenn sie richtig wiedergegeben sind, können die Wahrheit verzerren und sogar Fehlurteile begünstigen, wenn sie aus dem Zusammenhang gerissen sind.

Der Journalist, aber genauso auch der Leser, sollte daher einige wesentliche Infos und Tipps im Zusammenhang mit Zahlen im Journalismus berücksichtigen: 

Zahlen in Überschriften und in Artikeln

Es gibt nur wenige Überschriften und Artikel, die nicht auch Zahlen von aktuellen Umfragen, Studien oder Statistiken verwerten. Gerade für Artikelüberschriften werden sehr gerne Zahlen bemüht, denn dadurch wirken die Überschriften noch etwas spannender und aussagekräftiger.

Schließlich wecken Überschriften wie “jedes 3. Kind ist mittlerweile übergewichtig” oder “die Trennung hat (Name) 5 Millionen Euro gekostet” auch eher das Interesse als Überschriften wie “die Zahl an übergewichtigen Kindern ist erneut gestiegen” oder “(Name)s Trennung war ein teurer Spaß”. Journalisten übernehmen die Zahlen dabei sehr häufig aus Vorlagen und genau hier liegt eine der Schwierigkeiten.

Mit Ausnahme von tatsächlichen Fakten wie beispielsweise Wahlergebnissen sollten Zahlen nicht einfach blind übernommen werden. Mindestens genauso wichtig ist, die Zahlen zu hinterfragen, also zu recherchieren, ob der Wert tatsächlich plausibel ist, wer die Umfrage aus welchem Grund und in welchem Zusammenhang in Auftrag gegeben hat oder wer die Studie unter welchen Voraussetzungen durchgeführt hat. Hinzu kommt, dass die Beträge nicht verwechselt werden dürfen, die Zahlen also genauso genau gelesen werden müssen wie Informationen in Form von Text.

Wird beispielsweise über die Trennung eines prominenten Paares nach zwei gemeinsamen Jahren berichtet und fordert der verlassene Partner eine Abfindung von 2 Millionen Euro, ist das Angebot des anderen Partners lächerlich, wenn dieser 100.000 Euro als Gesamtbetrag bietet. Handelt es sich bei den 100.000 Euro jedoch um die Zahlung für einen gemeinsamen Monat, würde sich der Partner die Trennung insgesamt 2,4 Millionen Euro kosten lassen.

Daneben dürfen natürlich auch Zahlen nicht aus dem Zusammenhang gerissen werden. Werden beispielsweise 1000 Leute in einer bestimmten Region und aus einer bestimmten sozialen Schicht zu einem Thema befragt, hat das Ergebnis einen anderen Stellenwert, als wenn 100.000 Leute bundesweit und quer durch alle Schichten befragt werden.    

Die Schreibweise von Zahlen im Journalismus

Als Faustregel beim Schreiben von Zahlen gilt, dass Zahlen zwischen eins und zwölf ausgeschrieben und alle Zahlen ab 13 als Ziffer dargestellt werden. Allerdings versteht sich diese Faustregel eher als Orientierungshilfe und letztlich wird mittlerweile in jedem Einzelfall entscheiden.

So kann eine Informationen wie “Kinder im Alter zwischen sechs und 14 Jahren” zwar der Regel folgend geschrieben werden, in den meisten Fällen wird sich die Redaktion aber aus Gründen der Optik und der Verständlichkeit für die Schreibweise “Kinder im Alter zwischen 6 und 14 Jahren” entscheiden.

Ziffern bieten den Vorteil, dass sie kürzer sind und für mehr Übersichtlichkeit, Verständlichkeit und Vergleichbarkeit sorgen, wenn mehrere Zahlen aufeinander folgen oder es um Ausrücke wie beispielsweise Platz 1 und Platz 2 geht.    

Die Darstellung der Zahlen und ihre Wirkung

Die Darstellung einer Zahl kann einen deutlichen Einfluss auf deren Wirkung haben.

Dies lässt sich an folgendem Beispiel aufzeigen:

·         25 Prozent der Arbeitnehmer sind mit ihrem Job unzufrieden.
·         Ein Viertel aller Arbeitsnehmer sind mit ihrem Job unzufrieden.
·         Jeder vierte Arbeitnehmer ist mit seinem Job unzufrieden.
·         Einer von vier Arbeitnehmern ist mit seinem Job unzufrieden.

Alle vier Aussagen geben exakt die gleiche Zahl wieder.

Dennoch klingen Formulierungen wie jeder Vierte oder einer von Vieren nach deutlich mehr als 25 Prozent oder ein Viertel. Journalisten setzen die unterschiedlichen Darstellungsformen gezielt ein, um bestimmte Emotionen beim Leser zu wecken. 

Fazit: ein vorsichtiger Umgang mit Zahlen ist Pflicht

Natürlich spricht überhaupt nichts dagegen, mit Zahlen zu arbeiten und Werte aus Umfragen, Studien und Statistiken zu verwerten. Schließlich kann es sich dabei um Informationen handeln, die interessant und wichtig sind. Aber der Umgang mit Zahlen setzt Sorgfalt voraus, sowohl im Hinblick auf Interpretationen als auch im Hinblick auf die Wiedergabe.

Gut beraten sind Journalisten insofern, wenn sie sich an einem Ausspruch von Carl Horst Hahn, dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG, orientieren. Er sagte nämlich, dass „Statistiken mit Vorsicht zu genießen und mit Verstand einzusetzen sind“.

Weiterführende Anleitungen und Ratgeber zur Presse und Journalismus:

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