Fragen und Antworten zum Lokaljournalismus

Fragen und Antworten zum Lokaljournalismus

Die örtliche Zeitung, die am eigenen Wohnort erscheint, kennt vermutlich jeder. Und auch wenn so manche Lokalzeitung recht klein ist und nicht unbedingt mit den großen regionalen oder gar den namhaften überregionalen Zeitungen mithalten kann, möchten viele Leser ihren örtlichen Anzeiger nicht missen.

Fragen und Antworten zum Lokaljournalismus

Doch was macht so eine Zeitung eigentlich aus? Wir haben Fragen und Antworten zum Lokaljournalismus zusammengestellt:

Was ist das Besondere an einer Lokalzeitung?

Die Lokalzeitung spiegelt das Lebensgefühl der Leser wider. Sie kennt ihre Leser und weiß, was diese bewegt. Während eine große regionale oder bundesweite Zeitung eher Themen behandelt, die die breite Öffentlichkeit interessieren, ist die Lokalzeitung nah an ihren Lesern.

In jedem Ort gibt es im Jahresverlauf gewisse Fixpunkte, die für das Leben im Ort eine Rolle spielen. Der Start der Schulzeit und das Ferienprogramm, die Verabschiedung des Gemeindehaushalts, die Kirmes, Entscheidungen der Ortsverwaltung oder die Weihnachtsfeier des Seniorentreffs, zum Beispiel. Über solche Dinge möchten die Leser informiert sein.

Ein Lokalblatt hält die Leser aber nicht nur auf dem Laufenden, sondern bringt sie auch zusammen. Deshalb sollte ein Lokalblatt die ganze Gemeinschaft abbilden. Die Vereine, die Feuerwehr und das Rathaus müssen darin genauso vertreten sein wie örtliche Firmen und die Bürger.

Welche Inhalte sollte eine Lokalzeitung haben?

In einer Lokalzeitung sollte so ziemlich alles zur Sprache kommen, was das Leben der Leute vor Ort prägt. Arbeit, Wirtschaft und Politik zählen genauso dazu wie Bildung, Kultur und Freizeit.

Allerdings sollte eine Lokalzeitung auch über den Tellerrand hinausschauen und das große Ganze sehen. Denn die Lebenswirklichkeit besteht eben nicht nur aus der örtlichen Gemeinschaft.

Deshalb sollte ein Lokaljournalist auch die Politik auf Landesebene, aus Berlin und aus Brüssel im Blick haben und sie für seine Leser aufbereiten. Was bedeutet eine gesetzliche Neuregelung für die Bürger vor Ort? Welche Folgen hat es für die Gemeinde, wenn eine EU-Richtlinie umgesetzt wird?

Dabei kann ein Thema je nach Region ganz unterschiedliche Ausprägungen haben.

In einer Gegend, die stark von Landwirtschaft geprägt ist, eine recht hohe Arbeitslosenquote verzeichnet und in der viele ältere Menschen leben, ist der Blickwinkel auf zum Beispiel die Mietpreisbremse ein anderer als in einem Viertel einer Großstadt, in der eher junge, wohlhabende Familien zu Hause sind. Deshalb hat letztlich jedes Lokalblatt auch seinen eigenen Charakter.

Welche Fähigkeiten braucht ein Lokaljournalist?

Die vielleicht wichtigste Eigenschaft im Lokaljournalismus besteht darin, die richtige Mischung aus Nähe und Distanz zu finden. Ein Lokaljournalist muss verstehen, wie die Leute vor Ort ticken, was sie bewegt und wo der Schuh drückt.

Andererseits muss er auch mal den Finger in die Wunde legen und darüber berichten, was schief läuft. Er muss in Kauf nehmen, dass er mitunter böse Blicke erntet, wenn er einen kritisierten Lokalpolitiker im Restaurant oder auf dem Wochenmark trifft.

Eine zusätzliche Herausforderung kann darin bestehen, die Neutralität zu wahren. Ein Lokaljournalist kann ein Thema nicht unter den Tisch fallen lassen, bloß weil er mit der entsprechenden Person gut befreundet ist. Er muss bei Bekannten den gleichen Maßstab anlegen wie bei Fremden.

Außerdem darf er nie aus dem Blick verlieren, dass er für die Leser schreibt. Selbst wenn er zum örtlichen Männergesangverein keinen großen Bezug hat, muss er über dessen Jubiläumsfeier genauso sorgfältig und wertungsfrei berichten wie über das Fußballspiel, bei dem der eigene Verein den Nachbarort haushoch geschlagen hat.

Ein weiterer Aspekt ist, dass der Lokaljournalismus Allrounder erfordert. Vielen Redaktionen fehlen einfach die Mittel, um für jedes Ressort einen Redakteur zu beschäftigen. Selbst freie Journalisten, die nur ab und zu einen Beitrag beisteuern, sind nicht immer drin.

Also muss ein Journalist schnell umschalten können. Er muss in der Lage sein, heute über die Sitzung des Gemeinderats, morgen über einen Feuerwehreinsatz und übermorgen über die Digitalisierung zu schreiben.

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Natürlich kann ein Lokaljournalist nicht bei einem Thema in die Tiefe gehen und so versiert berichten wie ein Fachjournalist. Und natürlich hat jeder Lokaljournalist seine Interessensgebiete, in denen er sich gut auskennt und auch ein entsprechendes Netzwerk mit Kontaktpersonen hat.

Trotzdem muss er eine gewisse Bandbreite abdecken und verstehen, wie die Kommunalebene funktioniert.

Kann der Lokaljournalismus ein Sprungbrett sein?

Die Arbeit in einer Lokalredaktion kann eine sehr gute Schule sein. Denn ein Lokaljournalist muss sich immer wieder in neue Gebiete einarbeiten und mit Themen beschäftigen, die vielleicht nicht unbedingt sein Ding sind.

Gleichzeitig muss er die Inhalte in einer Art aufbereiten, die die Leser verstehen. Ein Fachjournalist etwa schreibt oft für ein Fachpublikum mit entsprechendem Hintergrundwissen. Deshalb kann er sich auch einer Fachsprache bedienen und muss nicht alles erklären.

Ein Lokaljournalist hingegen schreibt für ein bunt gemischtes Publikum. Wenn er beispielsweise über den Gemeindehaushalt berichtet, dann muss er die Entscheidungen so erläutern, dass der Bericht für jeden Bürger nachvollziehbar ist.

Trotzdem hat auch der Fachjournalist eine Art Fachpublikum vor sich. Schließlich kennen die Leute ihren Ort und sind mitten im Geschehen. Verortet der Fachjournalist eine Straße am falschen Ende der Stadt, bemerken das die Leser sofort.

Und sie nehmen es krumm, wenn sie das Gefühl haben, dass sich der Journalist nicht auskennt, ihnen aber etwas erzählen will.

Diese Mischung aus Einlassen auf verschiedene Themen, sorgfältiger Recherche und kompetenter, verständlicher Aufbereitung liefert dem Lokaljournalisten wertvolles und grundsolides Handwerkszeug.

Gerade für Jung-Journalisten kann es deshalb eine sehr gute Sache sein, eine Zeit lang für eine Lokalredaktion zu arbeiten. Mit den gesammelten Erfahrungen kann sich der Journalist dann später durchaus spezialisieren und zu einer überregionalen Zeitung, einem Magazin oder einer Fachzeitschrift wechseln.

Übrigens kann gerade der Lokaljournalismus auch eine Einstiegsmöglichkeit bieten. Das gilt sowohl für ausgebildete Journalisten als auch für Quereinsteiger. Denn viele Lokalredaktionen sind dankbar für Mithilfe und veröffentlichen gerne eingereichte Beiträge.

Zumal jemand, der im Ort aufgewachsen ist oder seit vielen Jahren am Vereinsleben teilnimmt, durchaus auch ein Experte für das jeweilige Thema sein kann. Und sein Blickwinkel auf die Dinge kann die Berichterstattung beleben und bereichern.

Wie sieht die Zukunft der Lokalzeitung aus?

Menschen sind mit ihrer Region verbunden und wollen wissen, was in ihrer direkten Umgebung los ist. Allerdings gehen die Interessen auseinander.

So ist für jüngere Leser zum Beispiel wichtig, wie es mit den Kindergartenplätzen aussieht, wann sie schnelles Internet bekommen oder wo neue Arbeitsplätze entstehen, während sich ältere Leser etwa für seniorengerechte Angebote für die Freizeitgestaltung interessieren.

Eine Lokalzeitung befriedigt das Informationsbedürfnis auf breiter Ebene. Sie ist eine Plattform, auf der das Leben vor Ort zusammenfließt. Gleichzeitig kennt ein Lokalblatt seine Leser so gut wie kein anderes Medium.

Genau das wissen die Leser zu schätzen. Deshalb wird der Lokaljournalismus vermutlich viele andere Formen des Journalismus überdauern.

Dennoch muss auch der Lokaljournalismus mit der Zeit gehen. Es ist fraglich, ob es auf Dauer finanzierbar bleibt, gedruckte Exemplare in entlegene Winkel kleinster Dörfer zu liefern. Vielleicht wird auch der Lokaljournalismus irgendwann den Schritt wagen müssen, zumindest in Teilen digital zu werden.

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