9 Fragen zum Job als Auslandskorrespondent, 1. Teil

9 Fragen zum Job als Auslandskorrespondent, 1. Teil

Journalist – das klingt für viele nach echtem Traumberuf. Und das gilt letztlich generell für alle journalistischen Fachbereiche, ganz besonders aber für eine Tätigkeit als Auslandskorrespondent.

Auslandskorrespondent

Auf der anderen Seite ranken sich viele Mythen und Legenden um den Alltag des Auslandsjournalisten. Wir werfen deshalb einen Blick hinter die Kulissen und beantworten neun Fragen zum Job als Auslandskorrespondent.

 

  1. Wofür ist ein Auslandskorrespondent Experte?

Auslandsjournalisten können für alle Mediengattungen tätig werden, für klassische Printmedien also genauso wie für Fernsehen, Rundfunk und Online-Magazine. Dabei müssen sie Allrounder sein.

So berichten sie mal über politische Ereignisse und wirtschaftliche Entwicklungen, mal über Naturkatastrophen und mal über Events aus Kultur, Gesellschaft oder Sport. Sie erstellen Reportagen über Länder und Dokumentationen über verschiedenste Themen. Aussagen im Sinne von “In diesem Bereich kenne ich mich nicht aus.” kann sich ein Auslandskorrespondent in aller Regel nicht leisten.

 

  1. Welche Eigenschaften sollte ein Auslandskorrespondent mitbringen?

Auslandsjournalisten sollten neben einer guten Portion Neugier Offenheit für Fremdes und Unbekanntes mitbringen. Sie sollten sich dafür begeistern können, in anderen Ländern ihre Zelte aufzuschlagen. Und es sollte ihnen gelingen, sich vor Ort schnell einzuleben.

Außerdem müssen Auslandskorrespondenten flexibel, vielseitig aufgeschlossen und sehr aufnahmefähig sein. Denn meist sind sie für mehrere Länder gleichzeitig zuständig, zwölf bis 15 Staaten sind da keine Seltenheit. Diese Länder müssen sie ständig im Blick haben, bei einem wichtigen Ereignis sofort hinfahren und direkt mit der Berichterstattung anfangen. Großartig Zeit für eine gründliche Einarbeitung bleibt da nicht.

Auch eine gute körperliche Verfassung ist wichtig. Je nachdem, wo Auslandskorrespondenten arbeiten, sind die Bedingungen nicht immer einfach. Die Lebensstandards vor Ort, das Klima oder auch die Zeitverschiebung sind Beispiele für Faktoren, die zur Belastung werden können. Die Arbeitszeiten regelt prinzipiell der in Deutschland geltende Tarifvertrag. Im Arbeitsalltag vor Ort ist das aber nur Theorie.

Denn wenn etwas Wichtiges passiert, wird niemand darauf Rücksicht nehmen können, ob der Auslandskorrespondent seine Pausen gemacht und seine Nachtruhe eingehalten hat.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist mentale Stärke. Ein großer Teil der Berichterstattung aus dem Ausland findet aus Krisengebieten statt, in denen Unruhen, Kriege, Terror, Epidemien, Naturkatastrophen und andere schwierige Bedingungen die Lage beherrschen. Auslandsjournalisten müssen mit solchen Situationen und den dazugehörigen Bildern umgehen können.

 

  1. Für welche Zielgruppe arbeitet ein Auslandskorrespondent?

Auslandskorrespondenten arbeiten für eine breit aufgestellte Zielgruppe. Denn sie berichten letztlich für alle, die Informationen und Nachrichten aus dem jeweiligen Land bekommen möchten. Das können Geschäftsleute, die beruflich mit dem Ausland zu tun haben, Reisende, die ihren Urlaub in dem Land verbringen möchten, oder Menschen aus dem Land, die jetzt in Deutschland leben, sein.

Hinzu kommen alle, die sich einfach nur so für das Land und seine Kultur interessieren. Je nach Ereignis wird die Berichtserstattung letztlich sogar für jeden relevant. Kommt es beispielsweise irgendwo zu einem großen Unfall in einem Kernkraftwerk, können die Folgen auch die Menschen in weiter entfernten Ländern betreffen.

Damit wird die Meldung zu einem Thema, das alle persönlich etwas angeht. Ein großer Vorteil für Auslandsjournalisten besteht also darin, dass sie nicht mühsam nach ihrer Zielgruppe suchen und nicht ständig nach Top-Themen jagen müssen, um ihr Publikum bei Laune zu halten.

Je nachdem, für wen Auslandskorrespondenten arbeiten, gestaltet sich die Berichterstattung aber unterschiedlich. So gibt es Auslandsreporter, die nur für deutsche Medien berichten. Dabei müssen sie dann im Blick haben, welche Informationen für Deutschland im Vordergrund stehen. Andere Auslandsjournalisten arbeiten für Auftraggeber, die ein weltweites Publikum bedienen. Hier zählt, dass die Berichterstattung so gestaltet sein muss, dass sie auch für ausländische Medien nutzbar ist.

 

  1. Sind Auslandskorrespondenten fest angestellt?

Inzwischen sind fest angestellte Journalisten eher selten. Die großen Verlage und Rundfunkanstalten leisten sich zwar ein paar feste Redakteure und Reporter. Immer mehr Journalisten verdienen ihr Geld aber als Freie. Bei den Auslandskorrespondenten ist das anders.

Ganz klassisch ist der Auslandsreporter fest angestellt und wird als Mitarbeiter ins Ausland entsandt. Eine andere Variante ist ein Mittelding zwischen Festanstellung und freier Mitarbeit. Diese Auslandsjournalisten haben Exklusivrechte mit bestimmten Medien vereinbart. Ihnen bieten sie ihre Geschichten immer zuerst an. Im Gegenzug stellen die Medien beispielsweise einen Teil der Ausrüstung oder übernehmen die Kosten für die Telekommunikation.

Natürlich gibt es immer mal wieder Zeiten, in denen nichts Aufregendes passiert oder in denen andere Länder im Fokus stehen. Solche Phasen können festangestellte Auslandskorrespondenten nutzen, um Reisereportagen, Dokumentationen und andere eigene Geschichten auf den Weg zu bringen. Denn ihr Einkommen ist ihnen auch in solchen Zeiten sicher.

Bei freien Journalisten wird es schwierig. Wenn sie keine anderen Einkommensquellen haben, überstehen sie diese Durststrecken finanziellen kaum. Denn mit der Hoffnung darauf, dass sich ein Abnehmer für die Geschichten findet und dann ein bisschen Zeilengeld reinkommt, lassen sich keine Rechnungen bezahlen. Für freie Journalisten ist eine Tätigkeit als Auslandskorrespondent deshalb eher ungeeignet.

Es sei denn, sie sind multimedial aufgestellt, können vor Ort auch andere Jobs übernehmen – zum Beispiel als Übersetzer oder Reiseführer – oder haben trotz der freien Arbeit feste Abnehmer wie Institute, Stifte oder Verwertungsgesellschaften.

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Redakteure

Hier schreiben Wolfgang Stocker, Jahrgang 69, freier Journalist, Sabine Lankmann, 37 Jahre, Inhaberin Medienagentur, Heiko Rieder, 44 Jahre, Journalist. Wir möchten Wissenswertes vermitteln über Pressearbeit und Journalismus, sowie einen Überblick über die Medienlandschaft in Deutschland.

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