7 Fragen zum Medizinjournalismus

7 Fragen zum Medizinjournalismus

Vermutlich jeder hat die eine oder andere medizinische Frage, die ihn persönlich betrifft oder interessiert und zu der er gerne eine Expertenmeinung hören würde. An dieser Stelle kommt der Medizinjournalismus ins Spiel. Sein Fachgebiet ist die Medizin und seine Aufgabe besteht darin, medizinische Sachverhalte aufzugreifen, verständlich aufzubereiten und richtig einzuordnen.

7 Fragen zum Medizinjournalismus

Doch was macht guten Medizinjournalismus aus? Wie arbeitet ein Medizinjournalist? Und ist für die Tätigkeit eine medizinische Ausbildung notwendig?

Wir beantworten sieben Fragen zum Medizinjournalismus!:

  1. Welche Themen behandelt der Medizinjournalismus?

Die Medizin macht stetig Fortschritte und es gibt regelmäßig neue Erkenntnisse. Innovative Therapien werden entwickelt und besondere Medizinprodukte kommen auf den Markt.

Außerdem tauchen auch im Bereich der Medizin immer mal wieder schlagzeilenträchtige Ereignisse auf, so zum Beispiel neuartige Erkrankungen oder Epidemien. Mit solchen Themen setzt sich der Medizinjournalismus natürlich auseinander.

Ansonsten stehen die Klassiker im Mittelpunkt. Ernährung und Diäten, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Sexualität sind typische Themen. Dazu kommen Inhalte wie Erkältungskrankheiten oder Auswirkungen der Sommerhitze, die im Jahresverlauf aktuell sind.

Insgesamt geht es also um Sachverhalte, die recht viele Menschen betreffen und deshalb in der breiten Öffentlichkeit Beachtung finden.

  1. Wie arbeitet ein Medizinjournalist?

Die Arbeit eines Medizinjournalisten unterscheidet sich eigentlich nicht von den Abläufen, die im Journalismus generell üblich sind.

Den meisten Teil der Arbeit macht die Recherche aus. So prüft der Medizinjournalist, welche Themen derzeit aktuell sind oder diskutiert werden. Anschließend sucht er nach Informationen dazu, arbeitet Studien durch, wertet wissenschaftliche Dokumente aus und befragt Ärzte oder andere Experten.

Hat er alle benötigten Informationen zusammen, erstellt er seinen Beitrag. Diesen reicht er dann bei der Redaktion ein oder veröffentlicht ihn selbst.

Hat sich der Journalist auf seinem Fachgebiet einen Namen gemacht, kann er auch als Experte für Rundfunk und Fernsehen tätig werden. Ähnlich wie ein Korrespondent gibt er dann Statements ab oder steht als Interviewpartner Rede und Antwort.

  1. Wie gewinnt der Medizinjournalist das Interesse des Publikums?

Der Medizinjournalismus beschäftigt sich mit einem Themenbereich, der von sich aus schon auf großes Interesse stößt. Nicht umsonst gibt es unzählige Sachbücher und diverse Ratgeber-Sendungen in Radio und Fernsehen.

Zeitschriften bringen immer wieder Sonderhefte heraus, Zeitungen greifen aktuelle Medizinthemen auf. Insofern hat der Medizinjournalismus vergleichsweise leichtes Spiel.

Andererseits ist die Konkurrenz mitunter groß. Findet gerade eine Krankheitswelle statt, hat ein Prominenter eine Erkrankung bekannt gemacht oder gab es eine Katastrophe wie einen Reaktorunfall mit Auswirkungen auf die Gesundheit, berichten so ziemlich alle Medien darüber.

Hier kommt es dann darauf an, den Lesern neben den medizinischen Informationen einen Mehrwert zu bieten. Dazu gehört, Zusammenhänge aufzuzeigen, Hintergründe zu erklären und das Thema anhand anschaulicher Beispiele in den Lebensalltag der Leser zu transportieren.

  1. Was macht guten Medizinjournalismus aus?

Für den Medizinjournalisten ist wichtig, seine Zielgruppe im Blick zu haben. Schreibt er für eine wissenschaftliche Fachzeitschrift, die von Ärzten und Wissenschaftlern gelesen wird, kann er natürlich eine angemessene Fachsprache verwenden.

Hier muss er auch kein Grundlagenwissen vermitteln, denn die medizinische Vorbildung ist bei seinen Lesern vorhanden.

Schreibt er hingegen für Laien, muss der Medizinjournalist die Informationen einordnen und komplexe Zusammenhänge nachvollziehbar aufbereiten.

Ist es nicht möglich, ein Medizinthema allgemein verständlich zu erklären, ist das meist ein Zeichen dafür, dass der Sachverhalt zu sehr ins Detail geht und folglich nur für Mediziner interessant ist.

Allerdings reicht es nicht aus, wenn es der Medizinjournalist dabei belässt, Fachbegriffe zu erklären und medizinische Fakten zu vermitteln. Denn dadurch würde er die Leser mit zu vielen offenen Fragen zurücklassen.

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Gerade im Medizinjournalismus ist wichtig, eine Einschätzung zu geben oder eine Art Bewertung vorzunehmen. Wie groß ist das Risiko für den Leser? Muss er sich Sorgen machen?

Was sollte der Leser tun und was nicht? Auch solche Fragen sollte ein medizinischer Beitrag realistisch beantworten, um nicht unnötig zu verunsichern.

  1. Welche Fehler sollten dem Medizinjournalisten nicht unterlaufen?

Zunächst einmal sollte der Medizinjournalist, wie übrigens jeder andere Journalist auch, eine Meldung nicht einfach so und ohne weitere Prüfung übernehmen.

Berichte mit Sensations-Schlagzeilen verkaufen sich zwar gut, bestehen bei genauerem Hinsehen aber oft aus sehr einseitigen oder stark verkürzten Darstellungen. Hier gilt es also zu recherchieren, wie die Wahrheit hinter der Meldung aussieht.

Auch bei Studien sollte der Medizinjournalist genau hinschauen. Wer hat die Studie durchgeführt und wer war der Auftraggeber, der sie bezahlt hat? Welche Fragestellung liegt der Studie zugrunde? Welche Methoden wurden angewendet?

Wie viele Probanten haben teilgenommen? Solche Fragen helfen bei der Einschätzung, wie belastbar ein Studienergebnis tatsächlich ist.

Zudem sollte der Medizinjournalist möglichst mit Originalquellen arbeiten. Denn in Beiträgen kommt es immer wieder vor, dass Studien falsch zitiert werden oder wesentliche Einschränkungen unerwähnt bleiben.

Ein Beispiel: In China wurde kürzlich ein Gel entwickelt, das neuen Zahnschmelz aufbaut. Natürlich klingt es nach einem riesigen Erfolg, wenn einfach ein Gel aufgetragen werden kann, das die Zähne wieder gesund und stabil werden lässt und so einen Zahnersatz überflüssig macht.

Vollständig wird die Meldung aber erst dann, wenn der Medizinjournalist ergänzt, dass die Behandlung mehrere hundert Mal wiederholt werden muss, bis die Dicke des neuen Zahnschmelzes für die notwendige Stabilität ausreicht.

  1. Sollte ein Medizinjournalist selbst auch Mediziner sein?

Um ein guter Medizinjournalist zu sein, ist es nicht zwingend notwendig, ein Medizinstudium oder eine medizinische Ausbildung absolviert zu haben.

Konzentriert sich der Journalist auf ein Fachgebiet, kann er sich durchaus auch ohne Hintergrund als Mediziner gut einarbeiten und zum Spezialisten werden. Großes Interesse und zumindest ein gewisses, grundlegendes Medizinwissen sollten aber auf jeden Fall als Basis vorhanden sein.

  1. Wie objektiv muss die medizinische Berichterstattung sein?

Jeder Journalist sollte den Anspruch haben, neutral zu bleiben. Wie gut das gelingt, hängt aber sicher auch mit dem Thema zusammen.

Ist der Journalist zum Beispiel in seinem persönlichen Umfeld mit einer Krebserkrankung konfrontiert, wird es ihm vermutlich schwerer fallen, völlig objektiv und distanziert über das Thema zu berichten.

Hinzu kommt, dass allein schon die Zusammenstellung der Informationen großen Einfluss darauf hat, welche Botschaft vermittelt wird.

Die Diskussion um Glyphosat ist ein anschaulicher Beleg dafür. So wurde einerseits erklärt, das Unkrautvernichtungsmittel stehe im Verdacht, Krebs auszulösen. Andererseits wurde das Mittel als nicht krebserregend eingestuft.

Wie können derart widersprüchliche Ergebnisse zustande kommen, obwohl beide von Instituten der WHO stammen? Der Grund liegt schlichtweg in zwei völlig unterschiedlichen Ansätzen. Im ersten Fall ging es um die Frage, ob Glyphosat in der Lage ist, Krebs auszulösen. Diese Wahrscheinlichkeit ist gegeben.

Im zweiten Fall wurde bewertet, wie hoch das Risiko für eine Krebserkrankung ist, wenn das Unkrautvernichtungsmittel in der üblichen Dosierung und Häufigkeit zum Einsatz kommt. Und dieses Risiko ist so gering, dass die Einstufung als nicht krebserregend begründet ist.

Insgesamt sollte der Medizinjournalist objektiv recherchieren und versuchen, seine persönliche Haltung zu dem Thema außen vor zu lassen.

Unabdingbar ist aber, dass er bei den Fakten bleibt. Auch wenn er dadurch in Kauf nehmen muss, von der Pharmaindustrie, Ärzten, der Politik oder auch den Lesern Kritik zu ernten.

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Hier schreiben Wolfgang Stocker, Jahrgang 69, freier Journalist, Sabine Lankmann, 37 Jahre, Inhaberin Medienagentur, Heiko Rieder, 44 Jahre, Journalist und Christian Gülcan, 44 Jahre, Webseiten-Betreiber und Redakteur. Wir möchten Wissenswertes vermitteln über die Pressearbeit und Journalismus, sowie einen Überblick über die Medienlandschaft in Deutschland geben.

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