Nebenjob als Interviewer – die verschiedenen Befragungsarten in der Übersicht
Interviews gehören zu den klassischen Darstellungsformen im Journalismus. Die meisten denken bei einem Interview aber an ein Gespräch zwischen einem Journalisten und einer anderen Person, beispielsweise einem Prominenten oder einem Augenzeugen.

Allerdings gibt es noch eine andere Form von Interviews, nämlich Befragungen, die im Bereich der Meinungsforschung angesiedelt sind.
In der Meinungsforschung geht es darum, ein Spiegelbild der Meinung zu erhalten, die zu einem bestimmten Thema in der Bevölkerung vorherrscht.
Da es aber in der Praxis kaum möglich ist, tatsächlich jeden einzelnen zu befragen, werden stichprobenartig bestimmte Personen aus verschiedenen Gruppen ausgewählt.
Diese Personen werden dann unter möglichst identischen Bedingungen interviewt und allen Befragten werden die gleichen Fragen in der gleichen Form gestellt. An dieser Stelle kommen die Interviewer ins Spiel.
Sie führen die Befragungen durch, während Meinungsforschungsinstitute und andere Auftraggeber zuvor die Fragebögen erarbeiten und anschließend die Befragungsergebnisse auswerten.
Durch einen Nebenjob als Interviewer lässt sich ein durchaus ordentliches Taschengeld erzielen.
Besondere Qualifikationen werden dabei meist nicht gefordert, der Interviewer muss lediglich zuverlässig und gewissenhaft arbeiten, gut auf fremde Personen zugehen können und die deutsche Sprache sicher beherrschen.
Je nachdem, in welcher Form die Befragungen stattfinden, sind außerdem mitunter Computerkenntnisse notwendig. Meist erfolgt die Vergütung pro geführtem Interview in der zuvor vereinbarten Höhe.

Inhalt
- 1 Die verschiedenen Befragungsarten in der Übersicht:
- 2 Die Bedingungen und die Fragen bei einem Interview
- 3 Befragungsmodi in der Praxis: CATI, CAPI, CAWI & PAPI
- 3.1 Mehr als „offen“ und „geschlossen“: zentrale Frageformate
- 3.2 Qualitätssicherung: so hältst du die Daten sauber
- 3.3 Datenschutz & Ethik: rechtssicher und respektvoll
- 3.4 Arbeitsalltag & Vergütung: so läuft der Nebenjob wirklich
- 3.5 Tipps für deinen Einstieg
- 3.6 Mini-Glossar
- 3.7 Checkliste: bereit fürs erste Projekt?
- 3.8
- 3.9 Ähnliche Beiträge
Die verschiedenen Befragungsarten in der Übersicht:
Die Meinungsforschung kommt immer dann zum Einsatz, wenn es darum geht, herauszufinden, was die Bevölkerung über ein bestimmtes Thema denkt. Dabei können die Befragungen einen gesellschaftlichen Hintergrund haben, beispielsweise im Hinblick auf die Politik oder die Arbeitsmarktsituation.
Die Ergebnisse von solchen Befragungen werden dann häufig in den Nachrichten, in Tageszeitungen oder auch in einschlägigen Fernsehsendungen wie politischen Talkshows veröffentlicht.
Interviews werden aber auch von der Wirtschaft in Auftrag gegeben, um die Ergebnisse anschließend im Bereich der Produktentwicklung oder Werbung zu verwerten.
Damit die Stichproben Aussagekraft haben, müssen jedoch mehrere Faktoren berücksichtigt sein. So spielen die Fragen selbst eine große Rolle, aber auch die Anzahl der befragten Personen ist von Bedeutung.
Aber einer bestimmten Anzahl wird übrigens von einer repräsentativen Umfrage gesprochen.
Ein weiterer Faktor ist die Methode, nach der die Befragten ausgewählt werden, und in diesem Zusammenhang wird im Wesentlichen zwischen folgenden Befragungsarten unterschieden:
-
· Quotenverfahren.
Das Quotenverfahren setzt voraus, dass bekannt ist, wie sich die Gruppe der Befragten oder die Bevölkerung im Allgemeinen zusammensetzt. Deshalb erfolgt hier die Auswahl der Interviewpartner anhand bestimmter, vorher festgelegter Merkmale.
Zu diesen Merkmalen können unter anderem das Alter, das Geschlecht, der Bildungsabschluss, der Beruf, die Wohnsituation oder die Art des Haushalts gehören.
-
· Zufallsauswahlverfahren.
Das Zufallsauswahlverfahren wird auch Randomverfahren genannt. Die Grundlage für diese Befragungsart bildet die gesamte Gruppe, die untersucht werden soll, und die Interviewpartner werden nach dem Zufallsprinzip aus dieser Gruppe ausgewählt.
Der Interviewer erhält dann in aller Regel eine Liste, auf der die Namen und Kontaktdaten der zu befragenden Personen aufgeführt sind.
-
· Panel-Umfragen.
Panel-Umfragen ähneln vom Grundprinzip her langfristig angelegten Studien, denn in regelmäßigen Abständen werden die gleichen Personen befragt.
Das Ziel von Panel-Umfragen besteht darin, festzustellen, ob und wie sich die Ansichten und Meinungen von Personen im Laufe der Zeit ändern und welche Gründe oder Ursachen zu diesen Änderungen führen.

Die Bedingungen und die Fragen bei einem Interview
Bei Befragungen, die im Auftrag von Meinungsforschungsinstituten und anderen Auftraggebern durchgeführt werden, kommen zwei Arten von Fragen zur Anwendung:
-
· Geschlossene Fragen.
Die meisten Fragen werden als geschlossene Fragen gestellt. Geschlossene Fragen sind Fragen, bei denen es nur eine begrenzte Anzahl an möglichen Antworten gibt. Ein typisches Beispiel für eine geschlossene Frage ist die Ja-oder-Nein-Frage.
Stellt der Interviewer eine geschlossene Frage, liest er die eigentliche Frage und größtenteils auch die möglichen Antworten vor. Der Befragte entscheidet sich daraufhin für eine der Antwortmöglichkeiten.
-
· Offene Fragen.
Offene Fragen beantwortet der Interviewpartner in seinen eigenen Worten. Der Interviewer liest also die Frage vor und der Befragte antwortet, was ihm zu dieser Frage einfällt.
Antwortmöglichkeiten zur Auswahl gibt es dabei nicht. Um genaue und unverfälschte Befragungsergebnisse zu erhalten, versucht der Interviewer, die Antworten möglichst wörtlich und ungekürzt zu notieren.
Grundsätzlich ist das Interview eine Form des Dialogs, weist im Unterschied zu einem Gespräch aber Besonderheiten auf. So bewegt sich der Gesprächsverlauf bei einer Befragung, bei der es um Meinungsforschung geht, in einem recht engen Rahmen.
Dies liegt daran, dass sich kein echter Dialog entwickelt, denn die Fragen sind ja bereits im Vorfeld festgelegt und werden exakt nach Vorgabe abgearbeitet. Trotzdem ist eine entspannte und vertrauliche Atmosphäre erforderlich, denn eine Befragung ist kein Verhör.
Für den Interviewer ist wichtig, dass er einerseits ein guter Zuhörer ist und andererseits eine absolut neutrale Position einnimmt.
Das bedeutet, er darf die Fragen und Antwortmöglichkeiten nicht kommentieren und vor allem bei offenen Fragen keine eigenen Vorschläge machen, denn dadurch könnte er die Aussagen und Angaben des Befragten beeinflussen.

Befragungsmodi in der Praxis: CATI, CAPI, CAWI & PAPI
CATI (Computer Assisted Telephone Interviewing). Telefoninterviews aus dem CATI-Studio oder remote. Fragebogen läuft am Bildschirm, Antworten werden direkt erfasst.
Vorteile: schnell, kosteneffizient, gute Kontrolle/Monitoring.
Grenzen: sinkende Erreichbarkeit, Sperrlisten, weniger visuelle Stimuli. Eignet sich für kurze, klar strukturierte Fragebögen.
CAPI (Computer Assisted Personal Interviewing). Face-to-Face mit Tablet.
Vorteile: hohe Ausschöpfung, komplexe Filter/Stimuli möglich, gute Datenqualität.
Grenzen: höherer Aufwand, Schulung, Sicherheits- und Spesenfragen. Ideal für Haushalts- oder Straßeninterviews, wenn Zielgruppen schwer erreichbar sind.
CAWI (Computer Assisted Web Interviewing). Online-Umfragen per Einladungslink oder Panel.
Vorteile: sehr schnell, günstig, multimedial.
Grenzen: Selbstselektion, Geräte-/Browser-Effekte. Gut für Produkt-/Werbetests, wenn Zielgruppen online erreichbar sind.
PAPI (Paper and Pencil Interviewing). Klassisch auf Papier.
Vorteile: unabhängig von Technik, nützlich in Sonderumgebungen.
Grenzen: Nacherfassung, Fehleranfälligkeit. Heute eher Ausnahme oder Back-up.
Warum das wichtig ist?
Je nach Modus unterscheiden sich Ausschöpfungsquote, Nonresponse-Risiken und Repräsentativität. Wer versteht, welcher Modus zum Projekt passt, liefert verlässlichere Daten – und verdient häufiger Folgeaufträge.

Mehr als „offen“ und „geschlossen“: zentrale Frageformate
Likert-Skalen (z. B. 1–5 „stimme gar nicht zu“ bis „stimme voll zu“) messen Einstellungen präzise und vergleichbar.
Semantisches Differential (Gegensatzpaare wie „modern ↔ traditionell“) erfasst feinere Bedeutungsnuancen.
Rangordnungsfragen priorisieren Alternativen – nützlich in Produkttests.
Matrixfragen bündeln ähnliche Items, sparen Zeit, aber: Ermüdung vermeiden (max. 5–7 Items).
Filter- und Routingfragen steuern den Pfad im Interviewleitfaden; Randomisierung reduziert Order-Bias.
Praxtipp: Kurze, eindeutige Items, nur eine Aussage pro Item, neutrale Formulierungen. Und: sensiblere Fragen später stellen – die Cooperation Rate steigt.
Qualitätssicherung: so hältst du die Daten sauber
Pretest (5–15 Interviews) prüft Verständlichkeit, Länge, Technik.
Backchecks (Rückrufe/Neukontakt) verifizieren echte Interviews.
Plausibilitätsregeln (z. B. Mindestbearbeitungszeit, Konsistenzchecks) fangen „Klickstrecken“ ab.
Audio-Monitoring im CATI prüft Neutralität und Fragebogentreue.
Bias erkennen: Nonresponse-Bias, Soziale Erwünschtheit, Interviewer-Effekt. Notiere Auffälligkeiten im Feldbericht – Transparenz zahlt auf Qualität ein.
Datenschutz & Ethik: rechtssicher und respektvoll
Einwilligung: informiere über Zweck, Dauer, Anonymität/Pseudonymisierung, Widerruf.
DSGVO-Basics: Rechtsgrundlage nennen, Speicherfristen, Kontakt zum Verantwortlichen, Datensparsamkeit.
Anonymität klar erklären: Ergebnisse werden aggregiert; keine Rückschlüsse auf Einzelpersonen.
Incentives transparent: Art, Wert, Bedingungen.
Sensible Themen (z. B. Gesundheit, Politik): freiwillig halten, Abbruch jederzeit ermöglichen – ohne Nachteile.
People-first-Content: Schreibe präzise, vollständig, ohne Übertreibung. Das erhöht Vertrauenssignale – hilfreich für menschliche Leser und Qualitätsbewertungen.

Arbeitsalltag & Vergütung: so läuft der Nebenjob wirklich
Anforderungen: Zuverlässigkeit, ruhige Telefonstimme/Freundlichkeit, deutliche Aussprache, sichere Deutschkenntnisse, ggf. Computerkenntnisse (CATI/CAWI), mobil für CAPI-Einsätze.
Einsatzzeiten: häufig abends/wochenends (bessere Erreichbarkeit).
Equipment: Headset (CATI), stabiles Internet, Tablet/Smartphone (CAPI), Ausweis/Interviewer-Badge.
Vergütung: meist pro Interview oder pro Stunde, teils Spesen (Anfahrt, Verpflegung). Abbruchquoten einkalkulieren.
Sicherheit Face-to-Face: Orte mit Publikumsverkehr wählen, Einsatzplanung teilen, Notfallkontakt.
Tipps für deinen Einstieg
- Briefing ernst nehmen: Ziel, Stichprobe, Repräsentativität, sensible Items.
- Probeinterview durchführen (Timing, Übergänge, heikle Fragen).
- Neutral bleiben: keine Wertungen, keine Vorschläge bei offenen Antworten.
- Dokumentation: Besonderheiten notieren (z. B. Lärmbelastung, Verständnisprobleme).
- Feedback geben: Hinweise aus dem Feld verbessern Fragebögen spürbar – und heben dich positiv hervor.
Mini-Glossar
Ausschöpfungsquote (Response Rate): Anteil der realisierten Interviews an allen gültigen Kontakten.
Nonresponse-Bias: Verzerrung, weil bestimmte Gruppen seltener antworten.
Routing/Filter: bedingte Sprünge im Fragebogen.
Panelmortalität: Ausfälle bei Panel-Umfragen über die Zeit.
Incentive: Gegenleistung für Teilnahme (Gutschein, Aufwandsentschädigung).

Checkliste: bereit fürs erste Projekt?
- Modus gewählt (CATI/CAPI/CAWI/PAPI) und Feldplan fixiert?
- Einwilligungstext und DSGVO-Hinweise parat?
- Pretest erledigt, Timing passt (Interviewdauer < 20 Min. für Telefon/online)?
- Backchecks und Plausibilitätsregeln definiert?
- Incentives kommuniziert?
- Sicherheits- & Spesenregelung geklärt?
Mehr Tipps und Ratgeber zu Presse und Journalismus:
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Thema: Nebenjob als Interviewer –
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