Was ist ein Leitartikel?

Was ist ein Leitartikel?

Im Zusammenhang mit Zeitungen taucht immer wieder auch der Begriff „Leitartikel“ auf. Dass es sich dabei um eine journalistische Darstellungsform handeln muss, dürfte den meisten klar sein.

Aber was ist ein Leitartikel genau? Was zeichnet ihn aus? Und was ist seine Aufgabe? Diese Fragen beantworten wir im Folgenden.

 

Was ist ein Leitartikel?

Zusammen mit der Glosse, dem Kommentar und dem Feuilleton gehört der Leitartikel zu den meinungsorientierten Darstellungsformen in einer Zeitung. Als besonders herausgestellter Meinungsartikel gibt er die Ansichten des Redakteurs oder die Haltung der gesamten Redaktion wieder.

Dabei muss für den Leser klar erkennbar sein, dass es sich bei den Inhalten um eine journalistische Meinungsäußerung handelt. Der Leitartikel muss also so verfasst sein, dass ihn der Leser eindeutig als Meinungsartikel identifiziert und nicht für eine Nachricht oder einen Bericht hält.

 

Woher hat der Leitartikel seinen Namen?

Die Bezeichnung Leitartikel geht auf das englische leading article zurück. Hier wurde der Meinungsartikel im 19. Jahrhundert eingeführt. In Deutschland hieß der Leitartikel bis dahin Hauptartikel.

Das kann sich zum einen darin begründen, dass Leitartikel zu den längsten und umfangreichsten Beiträgen einer Zeitung gehören. Ein anderer Grund könnte sein, dass der Leitartikel so etwas wie das Aushängeschild der Redaktion ist und die politische Richtung der Zeitung zum Ausdruck bringt. Bevor es Leitartikel in Zeitungen gab, wurde die Meinung meist über Flugblätter verbreitet.

 

Wie ist ein Leitartikel aufgebaut?

Ein Leitartikel ist vom Grundprinzip her wie ein klassischer Zeitungsartikel aufgebaut. Das bedeutet:

  • Überschrift: Der Leitartikel bekommt eine aussagekräftige Überschrift. Diese wird durch eine Dach- oder eine Unterzeile ergänzt, die die Funktion eines Untertitels übernimmt und die Überschrift näher ausführt.
  • Lead: Der erste Abschnitt des Leitartikels ist der Lead. Er führt den Leser als kurze und knappe Einleitung in das Thema des Artikels ein. Dabei informiert die Einleitung den Leser zwar darüber, worum es im Folgenden geht. Gleichzeitig deutet der Lead das Thema aber nur an oder umreißt es grob, ohne schon zuviel zu verraten.
  • Hauptteil: Im Hauptteil führt der Leitartikel das Thema aus und gibt die Haltung dazu wieder. Dabei wägt der Journalist Pro- und Contra-Argumente gegeneinander ab. Auch unterschiedliche Positionen innerhalb der Redaktion können im Leitartikel Erwähnung finden. Insgesamt beschränkt sich der Leitartikel also nicht nur darauf, rein die Meinung darzustellen. Stattdessen verknüpft der Leitartikel die Meinungsdarstellung mit einer Diskussion, die auch andere Haltungen berücksichtigt.
  • Schluss: Der Leitartikel endet mit einer klaren Aussage. Der Journalist zieht also gewissermaßen ein Fazit und bringt seine Haltung dadurch auf den Punkt. Dieses Fazit soll den Leser dazu anregen, sich eine eigene Meinung zum besprochenen Thema zu bilden.

Damit der Leser die Ausführungen einordnen kann, sollte auch der Leitartikel die W-Fragen beantworten. Sprachlich sollte der Leitartikel einen eher einfachen Stil pflegen, der die Inhalte verständlich kommuniziert. Ein erzählender Stil oder eine Sprache, die zu sehr von den eigentlichen Inhalten ablenkt, ist für einen Leitartikel nicht geeignet. Der Leser muss die Ausführungen gut erfassen und nachvollziehen können. Zudem wird der Leitartikel grundsätzlich im Aktiv geschrieben.

Welche Themen behandelt ein Leitartikel?

Thematisch setzt sich der Leitartikel mit einem bedeutsamen politischen, gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Ereignis auseinander. Dabei betrachtet der Leitartikel die Entwicklungen abseits der tagesaktuellen Berichterstattung von einem grundsätzlichen Standpunkt aus.

Deshalb muss sich der Leitartikel nicht nur auf das aktuelle Geschehen beschränken, sondern kann auch Entwicklungen in der jüngeren Vergangenheit kommentieren oder auf Tendenzen, die sich für die Zukunft abzeichnen, eingehen.

Die Themen für die Leitartikel werden längerfristig in den regelmäßigen Redaktionskonferenzen festgelegt. In diesem Zuge können sich alle Mitglieder der Redaktion an der Diskussion über die Inhalte beteiligen.

Mit dem Schreiben des Leitartikels wird dann der Redakteur beauftragt, der seine eigene Haltung und die Grundtendenz der Redaktion am kompetentesten zum Ausdruck bringen kann. Das kann, muss aber nicht zwangsläufig der Chefredakteur sein. Je nach Thema kann sich also auch ein anderes Redaktionsmitglied um den Leitartikel kümmern.

 

Was ist die Aufgabe eines Leitartikels?

Früher wie heute ist der Leitartikel so etwas wie das Aushängeschild der Redaktion. Er äußert sich zu seinem Thema und spiegelt dabei gleichzeitig die Grundrichtung und politische Tendenz der Zeitung wider. Vor allem in Krisenzeiten oder bei heiklen Sachverhalten bezieht der Leitartikel klar Stellung und kommuniziert in spannungsgeladenen, fast schon kämpferischen Worten seinen Standpunkt.

Medienexperten kritisieren jedoch immer wieder, dass viele Leitartikel heutzutage Sachverhalte nur noch erklären. Sie liefern dem Leser Hintergrundwissen und Einschätzungen, ohne sich dabei offen auf einen Standpunkt festzulegen.

So oder so muss der Leser zweifelsfrei erkennen können, dass der Leitartikel eine Meinungsäußerung ist. Es darf keine Verwechslungsgefahr mit einem Bericht oder einer Nachricht bestehen. Dazu wird oft ein Titel gewählt, der darüber informiert, wer hier seine Meinung kundtut. In einigen Zeitungen wird zusammen mit dem Leitartikel auch ein Foto des Redakteurs veröffentlicht.

In fast allen überregionalen Tages- und Wochenzeitungen hat der Leitartikel seinen festen Platz. Und lange Zeit stand der Leitartikel auf der Titelseite. Inzwischen gehen immer mehr Zeitungen dazu über, den Leitartikel zusammen mit Kommentaren und Glossen auf einer eigenen Meinungsseite zu veröffentlichen. Diese Seite findet sich dann irgendwo im ersten Drittel der Zeitung.

 

Was unterscheidet einen Leitartikel von einem Kommentar?

Die Glosse, der Kommentar und der Leitartikel sind journalistische Darstellungsformen, die die persönliche Haltung des Verfassers zum Ausdruck bringen. Die Glosse beschränkt sich dabei darauf, tatsächlich nur die eigene Meinung zu nennen.

Im Unterschied dazu stellt der Kommentar mehrere Argumente dar und vermittelt dem Leser dadurch auch die Zusammenhänge und verschiedene Sichtweisen. Ähnlich geht der Leitartikel vor. Allerdings ist der Leitartikel deutlich umfangreicher. Folglich bietet er wesentlich mehr Platz für Pro- und Contra-Argumente. Sie werden diskutiert und erst am Ende des Artikels zieht der Verfasser sein persönliches Fazit aus der Diskussion.

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Veröffentlicht von

Redakteure

Hier schreiben Wolfgang Stocker, Jahrgang 69, freier Journalist, Sabine Lankmann, 37 Jahre, Inhaberin Medienagentur, Heiko Rieder, 44 Jahre, Journalist. Wir möchten Wissenswertes vermitteln über Pressearbeit und Journalismus, sowie einen Überblick über die Medienlandschaft in Deutschland.

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