In 5 Schritten zum Datenjournalismus, 1. Teil

In 5 Schritten zum Datenjournalismus, 1. Teil

In immer mehr Bereichen werden zunehmend mehr Daten erhoben. Damit gewinnt auch der Datenjournalismus an Bedeutung. Beherrscht der Journalist den Umgang mit den Daten, verfügt er über ein wichtiges Instrument und zugleich eine äußerst ergiebige Quelle. Dabei findet der Journalist in 5 Schritten zum Datenjournalismus.

Daten sind schon seit jeher eine entscheidende Grundlage für die journalistische Arbeit. Allerdings ist die Menge an Daten, die heutzutage zu praktisch jedem Thema zur Verfügung steht, wesentlich größer als früher. Gleiches gilt für die Auswahl an Software, mit der diese Daten erfasst, ausgewertet und aufbereitet werden können.

Für den Journalisten bedeutet das, dass er in der Lage sein muss, sich in der Datenmenge zurechtzufinden, Daten zu recherchieren und die Daten richtig einzuordnen. Denn nur so kann er gesicherte Informationen verbreiten und gleichzeitig spannende Geschichten aufspüren, ohne immer nur Studien und PR-Zahlen nacherzählen zu müssen.

Der Datenjournalismus ist insofern in erster Linie eine Recherchetechnik, genauso aber auch ein wichtiges journalistisches Handwerkszeug im digitalen Zeitalter und letztlich eine Schlüsselkompetenz für den zeitgemäßen Journalisten.

Dabei ist der Datenjournalismus, wie eigentlich jeder journalistische Bereich, ein weites Feld mit vielen Facetten. Je nachdem, wie weit sich der Journalist in die Materie hineinwagt, lässt sich der Datenjournalismus aber in drei Hauptkategorien einteilen:

  1. In der einfachsten Form geht es darum, Daten optisch aufzubereiten. Ein Beispiel hierfür sind die klassischen Balken- oder Tortendiagramme, mit denen Wahlergebnisse, Umfragen oder Statistiken dargestellt werden.
  2. In der nächst höheren Kategorie werde Datensätze recherchiert, ausgewertet und aufbereitet, um sie anschließend eingebunden in einen Text zu verarbeiten.
  3. Die dritte Kategorie reicht bis hin zum investigativem Datenjournalismus. Hier arbeitet sich der Journalist durch große Datenberge, um zwischen all diesen Daten eine spannende Geschichte aufzuspüren. In Zusammenarbeit mit beispielsweise Grafikern oder Programmierern wird die Story dann mit den visuell, teils sogar interaktiv aufbereiteten Daten unterfüttert.

Natürlich lassen sich nicht immer klare Grenzen ziehen. Vielmehr sind die Übergänge zwischen den einzelnen Kategorien oft fließend. Die folgenden Ausführungen beziehen sich jedoch auf die zweite Kategorie. Diese Form des Datenjournalismus steht jedem Journalisten offen. Und in der praktischen Umsetzung sind es fünf Schritte vom Datensatz bis zur fertigen Geschichte:

 

Schritt 1: Die Ausgangsfrage oder These definieren.

Grundsätzlich kann der Journalist ergebnisoffen an Daten herangehen und erst nach der Auswertung entscheiden, was die Geschichte dahinter ist. Erst sammelt also zuerst Daten, wertet sie aus, sucht die Story in den Daten und legt sich anschließend fest, was er aus den Daten macht. Diese Vorgehensweise ist typisch für den investigativen Datenjournalismus.

Der weit häufigere Ansatz im Datenjournalismus ist aber, dass der Journalist zuerst seine Ausgangsfrage oder seine These formuliert und anschließend versucht, Daten zu recherchieren, die seinen Ausgangspunkt untermauern.

Dabei kann es natürlich passieren, dass sich bei der Datenrecherche herausstellt, dass die Daten die Ausgangsthese nicht bestätigen oder sogar das Gegenteil aufzeigen. In diesem Fall muss der Journalist umdenken und seine Geschichte anders aufbauen.

Ein Beispiel: Der Journalist möchte einen Artikel verfassen, in dem es um die Situation auf dem Ausbildungsmarkt geht. Seine Ausgangsfrage lautet: Wie haben sich die Chancen auf einen Ausbildungsplatz in den vergangenen 25 Jahren entwickelt?

Um diese Kernfrage zuverlässig beantworten zu können, muss der Journalist verschiedene Nebenfragen stellen, beispielsweise:

  • Wie hat sich die Zahl der Ausbildungsplätze entwickelt?
  • Wie viele Azubis gab es?
  • Wie viele Unternehmen bilden aus?
  • Wie viele freie Ausbildungsplätze wurden besetzt, wie viele blieben unbesetzt?
  • Wie verteilen sich die Ausbildungsplätze auf die Städte und die ländlichen Regionen?
  • Welcher Schulabschluss wurde bei der Vergabe der Ausbildungsplätze bevorzugt?
  • Gibt es mit Blick auf den Schulabschluss regionale Unterschiede?
  • In welchen Branchen gab es die meisten Bewerbungen?
  • Wie alt waren die Azubis im Durchschnitt?
  • Wie viele Bewerbungen schreibt ein Azubi durchschnittlich, bevor er einen Ausbildungsplatz findet?
  • Wie sieht das Verhältnis zwischen dualen und schulischen Ausbildungen aus?

Je nachdem, in welche Richtung der Artikel gehen soll und welche Erkenntnisse der Journalist gewinnt, kann er die Fragenliste entsprechend erweitern oder bestimmte Punkte weglassen.

 

  1. Schritt: Daten zusammentragen

Steht im Groben fest, welche Informationen der Journalist für seinen Artikel braucht, geht es im nächsten Schritt darum, diese Daten zu recherchieren. Je nach Fragestellung kommen dabei verschiedene Stellen in Betracht, die die entsprechenden Statistiken führen. Bezogen auf das obige Beispiel, wären das unter anderem

  • das Statistische Bundesamt und Statistische Landesämter,
  • die Agentur für Arbeit,
  • Berufsverbände und Gewerkschaften,
  • die Industrie- und Handelskammern und die Handwerkskammern,
  • das Bundesarbeitsministerium und die Landesarbeitsministerien.

Nimmt der Journalist Kontakt mit den Pressestellen auf, sollte er die Frage, für die er Daten braucht, möglichst präzise formulieren. Andernfalls besteht die Gefahr, dass ihm die Behörde oder Organisation zwar eine Statistik übermittelt, diese Statistik seine Frage aber nicht oder nur bedingt beantwortet.

Außerdem sollte der Journalist darum bitten, dass ihm die Daten in einem maschinenlesbaren Format zur Verfügung gestellt werden. Denn ein PDF beispielsweise sieht zwar nett aus, die Datenauswertung ist aber deutlich umständlicher als bei einem Dokument in Formaten wie .xls, .csv oder .tsv.

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