9 Fragen zum Job als Auslandskorrespondent, 2. Teil

9 Fragen zum Job als Auslandskorrespondent, 2. Teil

Unter den ohnehin schon beliebten Journalismusberufen gibt es kaum eine andere Tätigkeit, die auch nur annähernd als so interessant, spannend und attraktiv gilt wie ein Job als Auslandskorrespondent.

Auslandskorrespondent Beruf

Doch der Alltag als Auslandsjournalist hat mit den vielen Mythen und Legenden oft wenig zu tun. Wie so oft im Journalismus gehen die Vorstellungen und die Realität mitunter weit auseinander. Doch das heißt natürlich nicht, dass der Auslandsjournalismus nicht reizvoll ist. Nur ist der Berufsalltag eben oft anders als gedacht.

Um das Bild gerade zu rücken, schauen wir uns die Sache einmal näher an und beantworten neun Fragen zum Job als Auslandskorrespondent. Dabei haben wir im 1. Teil geklärt, worüber ein Auslandsjournalist berichtet, welche Eigenschaften er mitbringen sollte und wer seine Zielgruppe ist. Außerdem haben wir beantwortet, ob Auslandsjournalisten eigentlich fest angestellt sind.

Weiter geht es nun mit dem 2. Teil:

 

  1. Wie sollte sich ein Auslandskorrespondent auf seine Arbeit vorbereiten?

Eine gründliche und umfangreiche Vorbereitung auf den Auslandseinsatz ist ein absolutes Muss. Auslandsjournalisten sind einerseits Gäste und Beobachter im jeweiligen Land. Ein angemessenes und respektvolles Verhalten ist deshalb Pflicht. Andererseits sind Auslandskorrespondenten auch Entsandte, Botschafter und Repräsentanten ihres Heimatlandes.

Für die Praxis bedeutet das, dass sich Auslandsjournalisten viel Wissen über die Geschichte, die Kultur, die politische und wirtschaftliche Situation, die Traditionen und die Mentalität ihres Gastlandes aneignen sollten. Gleichzeitig sollten sie im Blick behalten, was in Deutschland geschieht und was ihr Heimatland ausmacht.

Zur inhaltlichen Vorbereitung kommen die ganz praktischen Dinge dazu. Wie sieht es mit einer Unterkunft aus? Welche Versicherungen sind notwendig? Muss ein Visum besorgt werden? Wie soll die Fortbewegung vor Ort vonstatten gehen? Darf der Partner im Gastland arbeiten und auf welche Schule werden die Kinder gehen? All das sind Fragen, die im Vorfeld geklärt sein sollten. Denn vor Ort bleibt für Organisatorisches wenig Zeit. Auslandsjournalisten können sich nicht erst gemütlich einleben. Stattdessen müssen sie sofort mit der Arbeit beginnen.

Und:

Der Auslandskorrespondent sollte grundsätzlich nicht in ein Land gehen, für das er überhaupt keine Sympathie empfindet. Natürlich wird sich der Journalist seinen Einsatzort nicht immer aussuchen können. Und es wäre falsch, bei einem Vorschlag direkt abzuwinken. Aber wenn der Auslandskorrespondent mit einer Region rein gar nichts anfangen kann und keinerlei Interesse daran hat, wird er keinen guten Job machen können.

 

  1. Was ist die besondere Verantwortung eines Auslandskorrespondenten?

Auslandskorrespondenten muss es gelingen, umfangreich und ehrlich, gleichzeitig aber fair und respektvoll über ihr Gastland zu berichten. Ihre Arbeit hat Anteil daran, wie das jeweilige Land von Außenstehenden wahrgenommen wird.

Treffen sie den falschen Ton oder zeichnen sie ein einseitiges, überspitzes Bild, wird das der tatsächlichen Situation nicht gerecht. In der Berichterstattung sollten sich deshalb nicht nur die aktuellen Geschehnisse, sondern immer auch ein Bezug zu den gesellschaftlichen und kulturellen Hintergründen wiederfinden.

 

  1. Ist der Beruf als Auslandskorrespondent mit einer Familie vereinbar?

Die Vereinbarkeit vom Beruf als Auslandskorrespondent und der Familie ist nicht ganz unkompliziert, aber durchaus machbar. Gehen Auslandsjournalisten für eine längere Zeit ins Ausland, nehmen sie ihre Familien oft mit. Die Kinder gehen dann im Gastland zur Schule und der Partner darf in vielen Ländern ebenfalls arbeiten. Die gemeinsame Zeit im Ausland schweißt zusammen und ermöglicht allen Beteiligten, wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Das fängt mit Fremdsprachenkenntnissen an und hört mit interkulturellen Kompetenzen auf.

Die Schattenseite ist aber, dass mitunter viele Umzüge anstehen und die Familie immer wieder von vorne anfangen muss. Auslandsjournalisten fällt das leichter, weil sie ja ihre Arbeit haben. Doch der Partner und die Kinder müssen sich einen neuen Freundeskreis aufbauen und sich im ungewohnten Umfeld zurechtfinden.

Ist nicht klar, wie lange der Auslandseinsatz dauern wird, ist nur ein kurzer Zeitraum geplant oder führt der Weg in ein Krisengebiet, entscheiden sich viele Auslandsjournalisten eher für eine Fernbeziehung. Sie stellt die Partnerschaft während des Einsatzes, vor allem aber auch nach der Rückkehr auf die Probe. Denn die beteiligten Personen, die alltäglichen Abläufe, die Gewohnheiten und die Strukturen verändern sich – und es gilt, wieder zusammenzufinden und sich einzufügen. Doch das ist einfach der Preis, den Auslandskorrespondenten bezahlen.

 

  1. Verändern das Internet und die sozialen Medien die Arbeit als Auslandskorrespondent?

Die digitalen Medien haben auch auf das Berufsbild des Auslandskorrespondenten großen Einfluss. Denn für jeden Interessierten ist es heutzutage ein Leichtes, sich über das Internet Informationen, Nachrichten und Meldungen aus aller Herren Länder zu besorgen. Doch Online-Beiträge und Posts in sozialen Medien können die Arbeit von professionellen Auslandskorrespondenten nicht ersetzen.

Um die Geschehnisse richtig einzuordnen, die Kommentare zu verstehen und auch den Wahrheitsgehalt der Meldungen einzuschätzen, braucht es die Erfahrung und das Wissen von Auslandsjournalisten. Sie sind vor Ort, fangen die Stimmung ein und berichten als neutrale Beobachter. Jedenfalls sollte das ihr Anspruch sein, auch wenn die Regierungen einiger Länder ihre Arbeit gezielt erschweren.

 

  1. Wie sieht die Zukunft dieses Ressorts aus?

Eine gute und seriöse Berichterstattung aus dem Ausland wird gerade im Zeitalter der Globalisierung immer wichtiger. Die Menschen wollen wissen, welche Entwicklungen es gibt und wie die Geschehnisse die Welt, aber auch das eigene Umfeld verändern.

Auf der anderen Seite kostet die Berichterstattung aus dem Ausland viel Geld. Büros zu betreiben, die Infrastruktur sicherzustellen und die Lebenshaltungskosten der Korrespondenten zu finanzieren, belastet das Budget. Zunehmend mehr Sender und Verlage wollen und müssen aber Kosten einsparen.

Deshalb ist zu erwarten, dass künftig Auslandskorrespondenten vermehrt als Halbfreie arbeiten werden. So haben die Journalisten eine gewisse Sicherheit, dass ihre Beiträge abgenommen werden, ohne dabei ständig auf der Gehaltsliste der Auftraggeber zu stehen.

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Redakteure

Hier schreiben Wolfgang Stocker, Jahrgang 69, freier Journalist, Sabine Lankmann, 37 Jahre, Inhaberin Medienagentur, Heiko Rieder, 44 Jahre, Journalist. Wir möchten Wissenswertes vermitteln über Pressearbeit und Journalismus, sowie einen Überblick über die Medienlandschaft in Deutschland.

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