Wie geht Innovations-Journalismus? 2. Teil

Wie geht Innovations-Journalismus? 2. Teil

Der Innovations-Journalismus ist eine Spielart des Fachjournalismus. Dabei macht er es sich – wie der Name schon nahelegt – zur Aufgabe, Innovationen aufzuspüren und der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Innovations Journalismus

Ob die Neuerungen aus der Wissenschaft und Forschung, der Technik, der Wirtschaft, der Politik, der Kultur oder dem Sport stammen, spielt zunächst einmal keine Rolle. Entscheidend ist vielmehr, dass der Journalist einer Innovation auf der Spur ist, die zu einer bahnbrechenden Lösung werden könnte.

Nur: Wie findet der Journalist solche Themen? Wo bekommt er Informationen? Wie sollte er das Material aufarbeiten? Und wie überzeugt er die Redaktion, seinen Beitrag zu veröffentlichen?

In einem zweiteiligen Beitrag gehen wir der Frage nach, wie Innovations-Journalismus geht. Dabei haben wir im 1. Teil die Problematik zwischen der Verschwiegenheit und der Veröffentlichung von Infos aufgezeigt. Außerdem haben wir erläutert, warum der Journalist zuerst zwei zentrale Punkte klären sollte. Nämlich welchen Nutzen die Innovation hat und wie neu die Innovation tatsächlich ist.

Hier ist nun der 2. Teil.:

 

Welche Folgen bringt die Innovation mit sich?

Ein weiterer Aspekt, den der Journalist unbedingt berücksichtigen sollte, sind die möglichen Auswirkungen. Und hier sind vor allem die Schäden entscheidend, die die Innovation verursachen könnte. Beispiele gibt es an dieser Stelle viele. So wurde etwa Heroin als hochwirksames Hustenmittel auf den Markt gebracht.

Welchen Verlauf diese Innovation nahm, ist bekannt. Viele andere Medikamente, die den Durchbruch bei bestimmten Krankheiten bringen sollten, erwiesen sich ebenfalls schon bald als Mittel, die die Betroffenen entweder noch kranker oder süchtig machten.

Ein anderes Beispiel ist die Atomkraft. Die Industrie verglich die Erfindung ihrer innovativen Verfahren gerne mit dem gleichen Durchbruch, der dem Urmensch gelang, als er entdeckte, wie er Feuer machen konnte. Inzwischen ist bekannt, welche tödlichen Gefahren die Nutzung der Kernenergie mit sich bringt. Auch im Bereich der Technik verstummten die Lobeshymnen auf die revolutionären Innovationen immer wieder.

Das gilt für Hochgeschwindigkeitszüge, ultraschnelle Passagierflugzeuge oder noch nie dagewesene Sportgeräte genauso wie für Autos, die von alleine fahren.

Natürlich ist ein Journalist kein Hellseher. Und oft lässt sich bei Innovationen nur schwer einschätzen, ob und welche Gefahren sie bergen. Trotzdem sollte der Journalist über denkbare Auswirkungen recherchieren. Unabhängige Experten oder längerfristig angelegte Studien können dabei hilfreiche Quellen sein.

Zu der Tatsache, dass (schädliche) Folgen von Innovationen nicht immer auf den ersten Blick erkennbar und oft noch nicht einmal vorhersehbar sind, kommt noch ein anderer Punkt dazu: Eine Neuentwicklung kann nutzen und schaden gleichzeitig. Ein Beispiel dafür sind Smartphones. Innovative Technologien bringen dem Anwender Vorteile.

Eine längere Betriebszeit, stabilere und schnellere Verbindungen oder einen immer größeren Speicherplatz zum Beispiel. Doch die Schattenseiten sind, dass die ständige Nutzung von Smartphones zu Unfällen, gesundheitlichen Beschwerden, schwindenden Manieren und einer Vereinsamung in der realen Welt führen kann. Ganz zu schweigen von den Materialien, die in einem Smartphone stecken, und der Art und Weise, wie diese Rohstoffe mitunter gewonnen werden.

Der Journalist sollte also nicht nur auf die Innovation selbst schauen. Sie kann interessant sein. Doch manchmal liefern die Hintergründe die viel bessere Story. Deshalb ist der Journalist gut beraten, wenn er sich dem Thema kreativ nähert und auch mal gegen den Trend denkt.

 

Wo und wie findet der Journalist geeignete Themen?

Die größte und wichtigste Fundstelle für Innovationen sind die Medien. In Zeitungen, Magazinen, Fernsehsendungen und Internetportalen wird ständig über Erfindungen und neue Entdeckungen berichtet. Aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung und der Wissenschaft, Studien, Umfragen und Berichte aus der Praxis sind außerdem oft Thema in einschlägiger Fachliteratur. Bibliotheken und Archive halten ergänzende Aufzeichnungen bereit.

Daneben kann es sich für den Journalist lohnen, in der Datenbank des Europäischen Patentamtes zu stöbern. Hier sind online unzählige Dokumente von geschützten Erfindungen hinterlegt. Dabei stammen die Entdeckungen aus aller Welt und gehen bis ins 19. Jahrhundert zurück.

Unverzichtbar sind auch Kontakte zu Wissenschaftlern, Forschern, Ingenieuren und anderen Experten. Von ihnen erfährt der Journalist aus erster Hand, an welchen Neuigkeiten derzeit gearbeitet wird. Je nach Fachgebiet wird der Journalist zudem in Internetforen fündig. In Deutschland gehört in diesem Zusammenhang die “Gesellschaft für außergewöhnliche Ideen” zu den ersten Adressen.

Hier kann der Journalist Kontakte zu Denkern, Erfindern und Entdeckern knüpfen. Die Idee des Portals ist, einen regen Austausch zu fördern, von dem beide Seiten profitieren: der Journalist, weil er Innovationen aufspüren und über echte Neuentwicklungen berichten kann. Und der Erfinder, weil seine Idee in die Öffentlichkeit getragen wird und im besten Fall das Interesse von Kunden, Beratern und Investoren weckt.

 

Wie bekommt der Journalist seinen Beitrag in die Zeitung?

Das Thema scheint vielversprechend, erste Recherchen haben interessante Ergebnisse eingebracht und der Entwurf steht – doch die Redaktion winkt ab. „Das Thema hatten wir schon.“ oder „Das Thema ist viel zu speziell. Damit können unsere Leser nichts anfangen.“ sind typische Kommentare.

Vor allem ein freiberuflicher Journalist wird diese Situation zur Genüge kennen. Tatsächlich tun sich viele Redaktionen mit dem Innovations-Journalismus schwer. Entweder, weil die zuständigen Redakteure das Potenzial einer Innovation nicht so richtig erkennen oder falsch einschätzen. Oder weil sie nicht über ein Thema berichten wollen, das in ähnlicher Form an vielen Stellen durch die Medien geht.

Was also kann der Journalist unternehmen? Zunächst einmal sollte er hartnäckig bleiben und das Thema weiter verfolgen. Außerdem sollte er der Redaktion den Beitrag aus einer anderen Perspektive erläutern und schmackhaft machen.

Nämlich indem der Journalist die Innovation erklärt und aufzeigt, welchen Nutzen sie hat. Erst danach sollte er auf den innovativen Charakter der Neuentwicklung eingehen. Der Journalist sollte die Redaktion also mit dem Produkt selbst überzeugen – und weniger damit, dass es sich um eine Innovation handelt.

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Veröffentlicht von

Redakteure

Hier schreiben Wolfgang Stocker, Jahrgang 69, freier Journalist, Sabine Lankmann, 37 Jahre, Inhaberin Medienagentur, Heiko Rieder, 44 Jahre, Journalist. Wir möchten Wissenswertes vermitteln über Pressearbeit und Journalismus, sowie einen Überblick über die Medienlandschaft in Deutschland.

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