Warum ein Artikel eine gute Einleitung braucht – und wie sie gelingt

Warum ein Artikel eine gute Einleitung braucht – und wie sie gelingt

Neben einem spannenden und interessanten Thema braucht ein Artikel eine aussagekräftige Überschrift und ansprechendes Bildmaterial. Doch selbst damit ist es noch nicht getan. Wenn der Artikel in der Zeitung oder auf der Webseite veröffentlicht und vom Publikum gelesen werden soll, ist stattdessen auch eine starke Einleitung ein Muss.

Warum ein Artikel eine gute Einleitung braucht - und wie sie gelingt

Allerdings fällt es sogar erfahrenen Journalisten mitunter schwer, eine griffige Einleitung zu verfassen. Dabei ist es gar nicht so schwierig, den Leser neugierig zu machen und geschickt in den Text zu lenken.

Warum ein Artikel eine gute Einleitung braucht

Es braucht keine wissenschaftlichen Studien oder groß angelegte Umfragen, um zu ermitteln, wie Menschen eine Zeitung oder Zeitschrift lesen. Es genügt völlig, sein eigenes Verhalten zu beobachten. Dabei zeigt sich recht schnell, dass es beim Durchblättern einer Zeitung meistens drei Phasen gibt:

  • Zuerst fällt der Blick auf den Titel des Beitrags und das Bild. Innerhalb von wenigen Sekunden entscheidet der Leser daraufhin, ob er sich näher mit diesem Beitrag beschäftigt oder direkt weiterblättert.

  • Bleibt der Leser zunächst am Beitrag hängen, liest er sich die Einleitung durch. Je nach Länge dauert auch das kaum mehr als 10 bis 15 Sekunden.

  • Ist das anfängliche Interesse nach dem Lesen der Einleitung noch da oder ist er sogar noch neugieriger geworden, liest der Leser den ganzen Beitrag. Hat ihn die Einleitung hingegen nicht überzeugt, wird er nicht weiterlesen.

Dieses typische Leseverhalten legen auch die Redakteure in den Verlagen an den Tag. Unterm Strich entscheidet sich also innerhalb von ein paar Sekunden, ob es ein Artikel in die Zeitung schafft oder ob nicht.

Und die Elemente, die maßgeblichen Einfluss auf die Entscheidung haben, sind der Titel, das Bild und die Einleitung. Wenn dieses Paket nicht stimmt, wird der eigentliche Text erst gar nicht gelesen.

Wie eine gute Einleitung gelingt

Die Einleitung ist kein Kurztext aus beliebig zusammen gewürfelten Sätzen. Stattdessen baut sich die Einleitung formal aus drei Elementen auf:

  1. Der Einstieg

Schon mit den ersten ein, zwei Sätzen sollte die Einleitung die Aufmerksamkeit des Lesers wecken. Im Idealfall gelingt es, ihn sofort regelrecht in den Text hineinzuziehen. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie der Journalist einen spannenden Einstieg gestalten kann. So zum Beispiel:

Direkte Ansprache

Der Journalist kann den Leser direkt ansprechen, indem er ein typisches Szenario aus dem Alltag schildert. Findet sich der Leser in der Situation wieder, steigt sein Interesse, weil er sich eine Lösung verspricht.

Beispiel: „Bestimmt kennen Sie das auch: Nach einem langen, anstrengenden Arbeitstag möchten Sie es sich auf der Couch gemütlich machen. Doch ausgerechnet dann …“

Daten und Fakten mit Überraschungsmoment

Eine andere Möglichkeit für den Einstieg ist, Daten und Fakten aufzuzählen. Dabei nennt der Journalist zunächst aber wirklich nur die reinen Beschreibungen. Erst nach der Aufzählung, die den Leser aufhorchen lassen und neugierig machen sollte, löst er auf, worum es geht.

Beispiel: „Er ist groß und schwer, oft nicht besonders schön, mitunter ein echter Energiefresser, aber trotzdem in jedem Haushalt unverzichtbar. Die Rede ist vom …“

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Kurzgeschichte

Bei einem längeren Artikel kann der Journalist auch mit einer kurzen Geschichte anfangen, die einerseits Interesse weckt und andererseits das Mitgefühl anspricht. Allerdings eignet sich diese Variante tatsächlich nur für längere Artikel. Denn um Spannung aufzubauen und die gewünschte Atmosphäre zu erzeugen, braucht der Journalist allein für die Kurzgeschichte mehrere Sätze. Dadurch wird die Einleitung insgesamt länger, was bei einem vergleichsweise kurzen Artikel wenig Sinn macht.

Beispiel: „Maria X. hat Angst. Eben ist die 30-jährige Frau auf dem Weg zum Kindergarten noch gut gelaunt am Flussufer entlang spaziert. Doch dann klingelte ihr Handy und was die Stimme am anderen Ende der Leitung sagte, war mehr als nur eine schlechte Nachricht: Ihr Sohn ist …“

  1. Die Darstellung des Problems

Nach dem Einstieg sollte der Journalist kurz zusammenfassen, welche Fragestellung oder welches Problem der Artikel behandelt. Allerdings geht es weniger darum, eine kompakte Kurzzusammenfassung zu liefern. Das Ziel ist vielmehr, dem Leser zu verdeutlichen, warum gerade dieses Thema auch für ihn relevant oder interessant ist.

  1. Die Andeutung der Problemlösung

Im letzten Teil der Einleitung weist der Journalist darauf hin, dass er für das Thema einen neuen, erstaunlichen, praktischen oder anderweitig hilfreichen Lösungsansatz aufzeigen wird. Dabei sollte der Journalist die Lösung aber nicht vorwegnehmen und auch noch nicht zu viel verraten. Er sollte es bei Andeutungen belassen. Schließlich soll der Leser ja weiterlesen.

In der Einleitung ist es völlig in Ordnung, den Leser zu locken. Die Aufgabe der Einleitung besteht gerade darin, dem Leser ein Appetithäppchen zu präsentieren, das Lust auf mehr macht.

Allerdings darf der Journalist nichts versprechen, was er in seinem Artikel nicht einlöst. Denn wenn die geweckten Erwartungen nicht erfüllt werden, ist der Leser verärgert.

Wenn die Einleitung sehr kurz sein muss

Es kommt immer wieder vor, dass für die Einleitung nur sehr wenig Raum zur Verfügung steht. Darf der ganze Artikel zum Beispiel nur eine begrenzte Anzahl an Zeichen umfassen oder lässt das Layout kaum Spielraum, bietet sich eine Dreisatz-Einleitung an.

Diese Variante der Einleitung umfasst, wie der Name besagt, wirklich nur drei Sätze:

  • Einstiegssatz: Der erste Satz muss im Prinzip gleich ein Paukenschlag sein. Er darf zwar inhaltlich Fragen offen lassen, sollte die Aufmerksamkeit des Lesers aber sofort erreichen. Auf leere Floskeln oder banale Aussagen sollte der Journalist deshalb verzichten. Stattdessen kann er einen wichtigen Aspekt seines Themas herauspicken und gerne in starken, emotionalen oder auch provokanten Worten formulieren.

  • Erklärungssatz: Der zweite Satz rückt den markanten Einstiegssatz ins richtige Licht. Spätestens jetzt muss dem Leser klar sein, worum es im Artikel geht.

  • Überleitungssatz: Der dritte Satz verweist auf die Problemlösung und schafft auf diese Weise die Verbindung zum folgenden Haupttext.

Ein Beispiel: „Die Strompreise in Deutschland zählen zu den höchsten in ganz Europa. Obwohl sich die Handelspreise an der Strombörse zuletzt nahezu halbiert haben, kommt bei den Verbrauchern davon bisher wenig an. Lesen Sie hier, wie Sie Ihre Stromrechnung dennoch senken können.“

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Hier schreiben Wolfgang Stocker, Jahrgang 69, freier Journalist, Sabine Lankmann, 37 Jahre, Inhaberin Medienagentur, Heiko Rieder, 44 Jahre, Journalist und Christian Gülcan, 44 Jahre, Webseiten-Betreiber und Redakteur. Wir möchten Wissenswertes vermitteln über die Pressearbeit und Journalismus, sowie einen Überblick über die Medienlandschaft in Deutschland geben.

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