Was macht eine gute Rezension aus?

Was macht eine gute Rezension aus?

Durch die Verbreitung des Internets und vor allem der sozialen Medien kann heute jeder Nutzer ein Buch, einen Film, eine Serie, eine Theateraufführung und ähnliche Dinge öffentlich bewerten. Doch kompetente Rezensionen verlieren dadurch keineswegs an Bedeutung. Ganz im Gegenteil, sind sie wichtiger denn je.

Was macht eine gute Rezension aus

Was macht eine gute Rezension aus?

Die Rezension als journalistische Textgattung hat eine lange Tradition. Hierzulande ist sie etwa Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden. Doch in den Feuilletons der Zeitungen bleibt für Buch- und Filmbesprechungen inzwischen immer weniger Platz.

Dazu kommt, dass sich das Publikum selbst in den sozialen Netzwerken, auf Blogs und sogar in Online-Shops regelmäßig zu Büchern, Filmen und Musikalben äußert. Darunter sind zwar durchaus gut gelungene und anspruchsvolle Rezensionen zu finden.

Überwiegend bleibt es aber bei einer allgemeinen Wertung, die von einer Konsumempfehlung und einer gewissen Anzahl an Sternchen begleitet wird.

Wenn aber jeder Internetnutzer seine Meinung zu einem Werk veröffentlichen kann und diese Bewertungen sowohl von den anderen Nutzern als auch von den Seitenbetreibern gerne gesehen sind – wieso sollte sich ein Journalist dann noch die Mühe machen, eine fundierte Rezension zu verfassen?

Die Frage nach dem Wieso oder Wozu lässt sich am besten mit dem Wie beantworten.

Ein Werk beurteilen, kann nämlich jeder. Aber eine Rezension ist mehr als eine bloße Beurteilung. Es geht nicht nur darum, die Inhalte kurz zusammenzufassen und zu äußern, ob einem das Werk gefällt oder nicht. Eine echte Rezension begründet ihr Urteil, indem sie das Werk genau unter die Lupe nimmt.

Sie ordnet es einem Genre zu, untersucht die Strukturen und betrachtet die Motive. Im Ergebnis kommt sie dann zu einer Beurteilung, die klar, informativ und nachvollziehbar ist.

Wie bei fast allen journalistischen Textgattungen sollte der Anspruch des Journalisten darin bestehen, dem Leser einen nützlichen Text mit Mehrwert zu bieten, der dem Leser bei seiner Entscheidung hilft, ob er das Buch lesen oder den Film anschauen möchte.

Die Rezension braucht einen roten Faden.

Zu den Herausforderungen beim Schreiben einer Rezension gehört die meist vorgegebene Textlänge. Der Journalist muss seinen Text deshalb so strukturieren, dass er seine Gedanken und Beobachtungen nachvollziehbar unterbringen kann.

Ein Rezept oder eine allgemeingültige Anleitung dafür gibt es aber nicht. Beim Blick in die Feuilletons von Tages- und Wochenzeitungen, die Kulturteile von Magazinen und die Fachpresse wird schnell klar, dass Buch- und Filmbesprechungen verschiedenste Formen haben können.

Üblicherweise beginnt eine Rezension mit einer Einleitung, in der der Journalist die wichtigsten Informationen und Daten zum besprochenen Werk nennt. So weiß der Leser, worum es geht und kann sich orientieren.

Außerdem endet eine Rezension meist mit einem Schlussteil. Hier zieht der Journalist sein Fazit dazu, wie er das besprochene Werk bewertet. Doch alles zwischen der Einleitung und dem Schlussurteil kann der Journalist so aufbauen und gestalten, wie er das für richtig hält.

Damit der Leser mitkommt, braucht der Text natürlich eine Struktur. Dabei kann es sich der Journalist einfach machen und die typischen Elemente einer Rezension nacheinander abarbeiten.

Er kann also zuerst auf die Handlung eingehen, dann über die Motive und die Stilmittel berichten, danach die Brücke zur Gegenwart schlagen und zum Schluss seine Wertung abgeben. So eine Rezension ist zweifelsohne informativ. Nur ist sie gleichzeitig ungefähr so unterhaltsam wie eine Gebrauchsanweisung.

Besser ist, wenn sich der Journalist auf die Aspekte konzentriert, die das Werk ausmachen. Das kann zum Beispiel das Hauptthema, ein prägendes Motiv oder der besondere Charakter des Werkes sein.

Dieses entscheidende Merkmal kann die Basis für die zentrale Bewertung bilden und sich gleichzeitig als roter Faden durch die Rezension ziehen. Der Leser hat dadurch einen Leitfaden, der ihm hilft, sich zurechtzufinden und die Betrachtungen des Journalisten nachzuvollziehen.

Die Rezension darf nicht alles vorwegnehmen.

Damit der Leser die Überlegungen des Journalisten verstehen kann, muss er natürlich wissen, worum es in dem besprochenen Werk überhaupt geht. Allerdings ist dabei Fingerspitzengefühl gefragt. Denn zum einen ist eine Rezension weder eine Inhaltsangabe noch eine Zusammenfassung.

Die Rezension möchte ein Werk einordnen und beurteilen. Deshalb genügt es, wenn der Journalist die Handlung grob skizziert und nur auf die Inhalte näher eingeht, die für den roten Faden wichtig sind und bei der Beurteilung zum Tragen kommen.

Zum anderen darf der Journalist in seiner Rezension nicht zu viel verraten. Schließlich liest der Leser eine Rezension im Normalfall, bevor er das Buch kauft, den Fernseher einschaltet oder ins Kino geht.

Wenn der Journalist in seinem Text aber alle spannenden Momente und überraschenden Wendungen schon ausplaudert, nimmt er dem Leser das Erlebnis.

Die Rezension muss ehrlich beurteilen.

Jedes Werk entsteht in einem Kontext, der von persönlichen Ideen des Urhebers, kulturellen Strömungen, gesellschaftlichen Entwicklungen und auch Marktbedingungen beeinflusst ist.

Der Journalist sollte diesen Kontext ergründen, damit er das Werk für den Leser einordnen kann. Dabei ist es natürlich legitim, wenn der Journalist Vergleiche zu früheren Werken dieses Urhebers oder ähnlichen Werken zieht.

Trotzdem darf der Journalist nie aus den Augen verlieren, dass die Hauptaufgabe der Rezension darin besteht, das vorliegende Werk zu beurteilen. Am Ende möchte der Leser wissen, ob der Journalist das besprochene Werk für lesens-, sehens- oder hörenswert hält.

Natürlich lässt sich darüber streiten, wie objektiv ein Journalist ein Werk überhaupt bewerten kann. Denn auch wenn der Journalist die handwerkliche Umsetzung begutachtet, fließt in das Urteil immer auch der persönliche Geschmack mit ein.

Doch das macht nichts. Denn bei einer gelungenen Rezension kann der Leser nachvollziehen, wie und warum der Journalist zu diesem Urteil kommt.

Entscheidend ist aber, dass der Journalist bei seiner Bewertung ehrlich und aufrichtig ist. Er sollte sich weder von der Meinung seiner Kollegen noch von der Erwartungshaltung des Publikums beeinflussen lassen. Dass ein Autor einen Bestseller gelandet hat, heißt nicht automatisch, dass er mit dem aktuellen Buch an den Erfolg anknüpfen kann.

Und der dritte oder vierte Teil eines Films muss nicht schlechter sein als der erste Teil. Ein Album kann bei den Kritikern durchfallen und beim Publikum super ankommen, oder umgekehrt. Doch all das sollte der Journalist bei seiner Rezension ausblenden. Sein Ziel muss sein, sachlich, klar und verständlich zu bewerten.

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Inhaber bei Artdefects Media Verlag
Hier schreiben Wolfgang Stocker, Jahrgang 69, freier Journalist, Sabine Lankmann, 37 Jahre, Inhaberin Medienagentur, Heiko Rieder, 44 Jahre, Journalist und Christian Gülcan, 44 Jahre, Webseiten-Betreiber und Redakteur. Wir möchten Wissenswertes vermitteln über die Pressearbeit und Journalismus, sowie einen Überblick über die Medienlandschaft in Deutschland geben.
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