Artikel überarbeiten – Infos und Tipps

Artikel überarbeiten – Infos und Tipps

Es kommt vor, dass ein Journalist Abstand zum Thema seines Beitrags gewinnt, noch bevor er den Artikel überhaupt geschrieben hat. So zum Beispiel, wenn er nach einer langen und aufwändigen Recherche die Informationen sortiert, die er zusammengetragen hat. Weit häufiger ist es aber so, dass er Journalist mitten im Thema ist, wenn er seinen Artikel verfasst. Eine Folge davon ist dann, dass es schwerfällt, den fertigen Text zu beurteilen.

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Artikel überarbeiten - Infos und Tipps

Zu überprüfen, ob sich Rechtschreib- oder Grammatikfehler eingeschlichen haben, ist natürlich kein allzu großes Problem. Zumal dabei verschiedene Software-Lösungen helfen können. Auch die Formatierung zu überarbeiten, ist keine große Sache. Doch wenn es um die Inhalte geht, wird es deutlich schwieriger.

Je nach Verfassung ist der Journalist mit seiner Arbeit mal ganz zufrieden, während er in anderen Fällen am liebsten alles neu formulieren würde. Wenn die Kollegen in der Redaktion den Text ganz anders einschätzen, ist die Verwunderung entsprechend groß.

Solche Unsicherheiten sind ein Stück weit normal. Und meistens kommen sie eben dann auf, wenn der notwendige Abstand fehlt. Doch was heißt das für die Praxis? Wie sollte der Journalist beim redaktionellen Überarbeiten seiner Artikel vorgehen? Hier sind Infos und Tipps!:

Artikel überarbeiten anhand von drei Merkmalen

Es ist kaum möglich, einen Artikel direkt nach der Fertigstellung zu überarbeiten. Denn der Journalist ist dann noch zu sehr im Thema. Für eine objektive Beurteilung ist ein gewisser Abstand notwendig. Aus diesem Grund sollte der Journalist grundsätzlich so planen, dass er den Text beiseite legen und mindestens eine Nacht darüber schlafen kann. Auch für das Überarbeiten sollte der Zeitrahmen groß genug sein.

Nimmt sich der Journalist seinen Artikel an einem der nächsten Tage noch einmal vor, wirkt der Text mitunter ganz anders. So liest sich eine Formulierung, die der Journalist für originell hielt, jetzt möglicherweise wie eine nichtssagende Floskel. Vielleicht ist der erste Absatz zu langatmig, um das Interesse des Lesers zu wecken.

Eventuell ist eine Passage überflüssig, weil sie keine wichtigen Informationen liefert, während an anderer Stelle Hintergrundinformationen fehlen, die der Leser fürs Verständnis braucht. Und womöglich plätschert der Text seicht aus, statt abgerundet und auf den Punkt gebracht zum Schluss zu kommen.

Aber natürlich muss es nicht immer so sein. Genauso ist möglich, dass der Journalist nach dem erneuten Lesen nichts zu bemängeln hat und folglich auch nichts verändern will oder bestenfalls kleinere Nachjustierungen vornimmt.

Insgesamt sollte der Journalist bei seiner Überarbeitung immer an drei Punkten ansetzen:

  1. Thema: Gibt der Text das Thema informativ wieder? Ist die Kernaussage erkennbar? Kann der Leser nachvollziehen, worauf der Text hinauswill? Erfährt der Leser alle wesentlichen Fakten, um sich seine eigene Meinung bilden zu können? Hat der Text einen Mehrwert für den Leser?

  2. Form: Ist der Text für den Leser geschrieben? Fügen sich Informationen und Formulierungen harmonisch zusammen? Erfüllt der Text die Erwartungen, die der Titel und die Einleitung versprechen?

  3. Sprache: Ist die Sprache aussagekräftig und verständlich? Kommen die Formulierungen auf den Punkt? Veranschaulichen Bilder oder Beispiele die Informationen? Sind Fachausdrücke wirklich notwendig oder können sie durch gebräuchlichere Redewendungen ersetzt werden? Ist alles Wichtige enthalten und alles Überflüssige gestrichen?

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Manchmal neigt der Journalist dazu, zu kritisch mit seinem Text umzugehen. Obwohl die Formulierungen passen, werden sie noch einmal korrigiert. An jedem zweiten Satz wird etwas verändert. Und Passagen, die eigentlich gelöscht wurden, werden doch wieder eingefügt, um sie kurz darauf erneut zu entfernen.

Wenn der Journalist feststellt, dass er immer unsicherer wird, sollte er den Text noch einmal beiseite legen. Gleiches gilt, wenn er so sehr an dem Beitrag herumbastelt, dass die vereinbarte Wort- oder Zeilenzahl längst überschritten ist.

Beim Überarbeiten passiert es nämlich gerne, dass ein Text nicht kompakter und präziser, sondern immer länger wird. In solchen Fällen fehlt einfach noch die richtige Distanz.

Überarbeitete Artikel gegenlesen lassen

Ist der Journalist mit dem Redigieren fertig, sollte er seinen Text von einer anderen Person gegenlesen lassen. Im Optimalfall handelt es sich bei dieser Person zum einen um jemanden, der objektiv bewertet und seine Meinung offen und ehrlich ausspricht. Zum anderen sollte die Person mit dem Thema möglichst nicht vertraut sein. Denn dadurch kann sie am besten einschätzen, ob sich dem Leser das Thema durch den Artikel erschließt.

Der Journalist sollte natürlich offen für Kritik und Anregungen sein. Es macht wenig Sinn, beleidigt zu reagieren oder die Einschätzung des Lesers in Frage zu stellen, bloß weil der Text nicht die gewünschte Resonanz erhält.

Andererseits sollte der Journalist die Anmerkungen des Lesers als unverbindliche Vorschläge sehen. Ob und inwiefern der Journalist sie umsetzt, entscheidet er selbst. Dieser Hinweis mag selbstverständlich klingen. Aber die Praxis zeigt, dass so mancher Journalist Korrekturen vornimmt, von denen er selbst nicht überzeugt ist, weil er einen anderen, zum Beispiel erfahrenen Kollegen nicht vor den Kopf stoßen will.

Die richtigen Grundlagen schaffen

Bei jedem Artikel, den der Journalist schreibt, schöpft er aus seinem Wortschatz. Doch der Wortschatz ist nicht grenzenlos. Irgendwann macht sich das dadurch bemerkbar, dass der Journalist immer öfter die gleichen Begriffe, dieselben Redewendungen und ähnliche Formulierungen verwendet.

Ein Stück weit hängt das zwar auch damit zusammen, dass der Journalist seinen individuellen Schreibstil entwickelt. Aber manchmal kommt das Gefühl auf, dass neuere Beiträge wie Kopien wirken und die älteren Texte besser waren.

Um das zu vermeiden, sollte der Journalist frühzeitig gegensteuern, indem er

  • regelmäßig zwischen den journalistischen Textgattungen wechselt, statt immer nur eine Art von Texten zu schreiben.

  • besonders gute Texte nicht als Maßstab für alle anderen Beiträge nimmt.

  • die Erwartungshaltung an sich selbst nicht übertrieben hoch ansetzt.

  • sich sowohl beim Schreiben als auch beim Überarbeiten die Zeit lässt, die er braucht.

Außerdem sollte der Journalist viel und regelmäßig lesen. Dabei sollte er neben Zeitungsartikeln auch zu guter Literatur greifen. Denn anders als Journalisten, Reporter und Redakteure können Schriftsteller mit der Sprache spielen. Sie vermitteln keine Fakten, sondern erzählen Geschichten. Dadurch liefern sie viele Vorlagen, um den eigenen Wortschatz frisch zu befüllen.

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Hier schreiben Wolfgang Stocker, Jahrgang 69, freier Journalist, Sabine Lankmann, 37 Jahre, Inhaberin Medienagentur, Heiko Rieder, 44 Jahre, Journalist und Christian Gülcan, 44 Jahre, Webseiten-Betreiber und Redakteur. Wir möchten Wissenswertes vermitteln über die Pressearbeit und Journalismus, sowie einen Überblick über die Medienlandschaft in Deutschland geben.

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