Infos und Tipps für einen gelungenen Vorspann

Infos und Tipps für einen gelungenen Vorspann 

Natürlich steckt die meiste Arbeit im eigentlichen Text. Schließlich ist der Artikel der Hauptdarsteller und der Journalist möchte erreichen, dass der Leser diesen Text liest.

Doch der Journalist sollte auch dem Vorspann Aufmerksamkeit schenken. Denn der Vorspann kann das entscheidende Element sein, das den Leser dazu bringt, den Artikel tatsächlich zu lesen.

Der Vorspann hat im Prinzip die gleiche Aufgabe wie der Titel. Genauso wie die Überschrift soll der Vorspann den Leser nämlich zum einen über das Thema des Artikels informieren und zum anderen sein Interesse an dem Text wecken.

Doch während sich der Titel darauf beschränkt, seine Aussage kurz, auf den Punkt gebracht und möglichst aussagekräftig zu formulieren, ist der Vorspann etwas ausführlicher. Er möchte den Leser nicht nur auf den Artikel einstimmen, sondern ihm gleichzeitig vermitteln, dass den Leser interessante, wichtige oder hilfreiche Informationen erwarten.

Dabei kann der Journalist seinen Vorspann in zwei verschiedenen Varianten ausgestalten: entweder als nachrichtlichen oder als lockenden Vorspann.

Worin sich diese beiden Varianten unterscheiden und was der Journalist sonst noch beachten sollte, verraten die folgenden Infos und Tipps für einen gelungenen Vorspann:

 

Der nachrichtliche Vorspann

Der nachrichtliche Vorspann fasst die wichtigsten Informationen zusammen. Er spannt den Leser nicht auf die Folter, sondern kommt ohne Umschweife auf den Punkt.

Er ist somit eine Art Kurzzusammenfassung des Artikels und beantwortet bereits die maßgeblichen W-Fragen. Im Journalismus sind mit den W-Fragen die Fragen Was? Wann? Wer? Wo? und Warum? gemeint. Ein Vorspann in dieser Form wird als nachrichtlicher Vorspann bezeichnet. Häufig wird auch von einem Lead gesprochen.

Ein nachrichtlicher Vorspann kann beispielsweise so lauten:  

Auch in diesem Jahr können sich Rentner in Deutschland wieder über eine Rentenerhöhung freuen. Am Dienstag bestätigte ein Regierungssprecher, dass die Renten ab Juli um zwei Prozentpunkte steigen.

Dieser Vorspann bringt die wichtigsten Informationen auf den Punkt. Gleichzeitig beantwortet er die entscheidenden Fragen: Was? Rentenerhöhung um zwei Prozent. Wann? Ab Juli. Wer und wo? Rentner in Deutschland. Welche Quelle? Ein Regierungssprecher. Nur die Frage, warum die Renten erneut erhöht werden, wird erst im Artikel beantwortet. 

Ein nachrichtlicher Vorspann informiert den Leser kurz und präzise. Der Leser muss sich die entscheidenden Informationen nicht aus dem Text herauszusuchen, sondern weiß sofort Bescheid.

Deshalb passt ein nachrichtlicher Vorspann gut zu Berichten, Meldungen, Kurznachrichten und anderen nachrichtlichen Darstellungsformen, die ohnehin meist nach dem Prinzip der umgekehrten Pyramide aufgebaut sind. Umgekehrte Pyramide meint, dass die wichtigsten Informationen am Anfang genannt werden und die Wichtigkeit im weiteren Verlauf abnimmt. Dadurch wird es möglich, den Artikel von hinten her zu kürzen, ohne dass die entscheidenden Angaben fehlen.

 

Der lockende Vorspann

Anders als der nachrichtliche Vorspann konfrontiert der lockende Vorspann den Leser nicht gleich und ohne Umschweife mit den entscheidenden Informationen, sondern spielt mit seiner Neugier.

Der lockende Vorspann deutet das Thema an und ermutigt den Leser dazu, den Artikel zu lesen, um alle entscheidenden Informationen zu erfahren. Dabei lassen sich beim lockenden Vorspann fünf Typen voneinander unterscheiden:

 

1. Der Vorspann stellt einen Nutzen in Aussicht.

Dieser Vorspanntyp animiert den Leser dazu, den Artikel zu lesen, weil der Text hilfreiche, nützliche oder wissenswerte Informationen bereithält. Diese Informationen kann der Leser für sich verwerten und einen echten Nutzen daraus ziehen.

Ein Beispiel: 

Trotz erneuter Rentenerhöhung reicht die Rente bei vielen Rentnern hinten und vorne nicht. An einen entspannten und wirtschaftlich abgesicherten Lebensabend ist oft nicht zu denken. Zeitung XY nennt zehn Tipps für ein besseres Auskommen bei kleiner Rente.

 

2. Der Vorspann zeigt einen Widerspruch auf.

Der Vorspann kann die Neugier des Lesers wecken, indem er einen Widerspruch aufbaut. Damit der Leser erfährt, wie dieser Widerspruch aufgelöst werden kann, muss er den Artikel lesen.

Das klingt dann beispielsweise so: 

Wie im Vorjahr können sich deutsche Rentner auch dieses Jahr wieder über eine Rentenerhöhung freuen. Doch trotz Plus im Geldbeutel steigt die Zahl derer, die von Altersarmut betroffen sind, dramatisch an.

 

3. Der Vorspann arbeitet mit Schlüsselwörtern.

Der Vorspann kann die Aufmerksamkeit des Lesers wecken, indem er mehrere Schlüsselwörter nennt. Der Journalist geht in diesem Fall davon aus, dass mindestens einer der Begriffe den Leser ködern und dazu bringen wird, den Artikel zu lesen.

Dazu ein Beispiel: 

Gute Nachrichten für deutsche Rentner: Die Altersbezüge klettern ab Juli um zwei Prozentpunkte nach oben. Doch reicht das, um nicht in die Altersarmut zu rutschen?

Die Schlüssel- oder Lockwörter sind in diesem Beispiel Gute Nachrichten, Rentner, Altersbezüge, Juli und Altersarmut.  

 

4. Der Vorspann erzählt die Geschichte in Kurzform.

Diese Form des lockenden Vorspanns ähnelt dem nachrichtlichen Vorspann. Auch hier nennt der Vorspann im Prinzip alle wichtigen Informationen. Allerdings ist der Vorspann so kurz gehalten, dass der Leser die ausführlichen Angaben im Artikel braucht, damit er die Infos richtig einordnen kann.

Ein Beispiel: 

Ab Juli steigen die Renten. Dieses Jahr werden sie um zwei Prozent erhöht.

 

5. Der Vorspann deutet an, lässt die Antwort aber offen.

Der Vorspann kann als sogenannter Cliffhanger aufgebaut sein. Dabei lockt der Journalist den Leser mit einer Andeutung, die erst im Artikel dann aufgelöst und erklärt wird. Üblicherweise ist ein solcher Vorspann in zwei Teile gegliedert.

Den Anfang macht eine Erklärung, die den Leser über den Inhalt des Artikels informiert und ihm so ermöglicht, den Text inhaltlich einzuordnen. Danach folgt eine Aussage oder ein Aspekt, der zunächst nur angedeutet, aber noch nicht weiter ausgeführt wird.

Das sieht dann beispielsweise so aus: 

Seit Dienstag ist es offiziell: Die Renten werden ab Juli um zwei Prozent erhöht. Und es gibt noch eine weitere gute Nachricht für deutsche Rentner.

 

Die Grundregeln für einen gelungenen Vorspann

Für welche Form des Vorspanns sich der Journalist entscheidet, bleibt seinem eigenen Geschmack überlassen. Zudem hängt es immer auch von der Textart, dem Thema und dem Medium ab, welcher Vorspanntyp am besten passt.

Doch unabhängig davon, sollte der Journalist immer im Hinterkopf behalten, dass der Vorspann die Aufgabe hat, den Leser über das Thema zu informieren und seine Neugier zu wecken. Deshalb gibt es drei Grundregeln, die für jeden Vorspann gelten:

1.       Keine Rätsel: Der Vorspann soll den Leser zwar neugierig machen und sein Interesse daran wecken, den Text zu lesen. Aber der Vorspann darf dem Leser keine Rätsel aufgeben. Der Leser muss erkennen können, worum es in dem Artikel geht.

2.       Klare Aussagen: Ein gelungener Vorspann besteht aus einfachen Worten und kurzen Sätzen. Er kommt klar und verständlich auf den Punkt. Zahlen, Daten und andere Fakten finden im Artikel ihren Platz.

3.       Schön kurz: Je länger der Vorspann ist, desto mehr verliert er an Wirkung. Wenn der Leser schon einen langen und ausführlichen Vorspann vor sich hat, wird er den eigentlichen Text vielleicht gar nicht mehr lesen wollen. Deshalb sollte der Vorspann nicht mehr als 250, allerhöchstens 300 Zeichen umfassen.

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