Die größten Fehler im Umgang mit Medien, 2. Teil

Die größten Fehler im Umgang mit Medien, 2. Teil

 

Die Presse braucht Schlagzeilen, Nachrichten und spannende Geschichten. Prominente, Unternehmen und andere Personen können die Storys liefern. Manchmal brauchen sie die Presse sogar als Sprachrohr. Doch in der Praxis gestaltet sich die Zusammenarbeit mitunter schwierig.

 

Der Umgang mit der Presse hat für den Betroffenen oft zwei Seiten. So möchte er einerseits, dass die Presse über ihn und seine Arbeit berichtet. Andererseits möchte er aber ein Stück weit mitbestimmen, was, wie und wann über ihn berichtet wird. Und er möchte seine Privatsphäre geschützt wissen.

Hier einen Kompromiss zu finden, ist nicht ganz einfach. Denn der Betroffene kann die Presse nicht zu seinem Sprachrohr machen und für seine Zwecke nutzen, in schwierigeren oder unangenehmen Situationen aber fernhalten wollen. Auch auf das Bild, das sich die Öffentlichkeit macht, kann er Betroffene nur wenig Einfluss nehmen. Doch ein Journalist macht letztlich nur seinen Job.

Er kann nur die Informationen verwerten, die ihm vorliegen und die er sich beschaffen kann. Und er muss abwägen, ob das Thema seine Leser interessiert oder ob nicht. Der gegenseitige Umgang erfordert also durchaus Fingerspitzengefühl und Erfahrung. Wenn ein paar Dinge beachtet werden, lässt sich die Zusammenarbeit aber auf ein solides Fundament stellen. In einer zweiteiligen Übersicht listen wir die typischen Stolpersteine im Umgang mit der Presse auf. Dabei haben wir im 1. Teil sieben große Fehler genannt.

Hier geht es nun mit dem 2. Teil weiter:

 

Fehler Nr. 8: Oberlehrer spielen

Wenn ein kritischer Artikel in der Zeitung erscheint, hat der Betroffene oft schnell die passende Erklärung parat. Der Journalist habe keine Ahnung von der Thematik, er verkenne den eigentlichen Kern oder er habe sich gezielt die negativen Aspekte herausgepickt, weil das eine höhere Auflage garantiert, heißt es dann gerne.

Natürlich wird in einer Zeitung eher über ein Zugunglück als über einen Zug berichtet, der pünktlich in den Bahnhof einrollt. Und selbstverständlich kann es gut sein, dass das spezifische Fachwissen des Journalisten zu einem bestimmten Thema weniger umfangreich und detailliert ist als das des Betroffenen. Doch ein kritischer Artikel ist noch lange kein Grund, die Kompetenz des Journalisten in Frage zu stellen.

Eine produktive Zusammenarbeit kann nicht entstehen, wenn der Betroffene den Oberlehrer spielt, der den Journalisten belehren will. Oder wenn er dem Journalisten begegnet, als wäre er eine unangenehme Bedrohung, die besondere Vorsicht erfordert. Ein Journalist hat meist ein sehr feines Gespür für sanfte Zwischentöne.  

 

Fehler Nr. 9: Überempfindlich sein

Der Betroffene sollte nicht erwarten, dass jedes einzelne Wort in einem Artikel zu 100 Prozent richtig ist. Ebenso sollte er nicht enttäuscht sein, wenn die für ihn so wichtige Meldung in einen kurzen Text aus wenigen Wörtern passt. Oder wenn ein langes Interview auf drei Zitate zusammengekürzt wird.

Ein Journalist braucht eine Fülle an Informationen als Grundlage, kann und wird am Ende aber eine Auswahl treffen. Vielleicht werden einige Angaben noch in einen späteren Artikel einfließen. Entscheidend ist aber zunächst einmal, dass die Hauptaussage des Artikels stimmt.

Alles andere sollte der Betroffene nicht zu kritisch sehen und vor allem nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Kaum ein anderer Leser wird den Text so sorgfältig lesen wie er selbst.

 

Fehler Nr. 10: Kritikern aus dem Weg gehen

Es kann durchaus passieren, dass beim Betroffenen der Eindruck entsteht, der Journalist könne ihn nicht leiden, würde ihn absichtlich oder unabsichtlich ständig missverstehen oder würde seiner Arbeit keine Wertschätzung entgegenbringen. In diesem Fall kann sich der Betroffene zwar beim Chefredakteur über den Journalist beschweren, weitere Treffen verweigern oder den Journalisten selbst mit seinen Vorwürfen konfrontieren.

Weiterbringen wird den Betroffenen aber nichts von alledem. Wenn der Betroffene herausfinden will, warum der Journalist so kritisch berichtet hat, muss er ihn fragen. Nur wenn der Betroffene dem Journalisten auf Augenhöhe begegnet und echtes Interesse an dessen Position zeigt, wird der Journalist bereit sein, seinen Standpunkt zu verdeutlichen und seine Kritik zu begründen. Allerdings sollte der Betroffene nicht davon ausgehen, dass er den Journalisten bekehren kann. Ein Gespräch mit einem Kritiker dient dazu, die Gründe für die Kritik zu verstehen.  

 

Fehler Nr. 11: Geschwafel statt Fakten

Persönliche Meinungen und Statements sind sicherlich interessant. Für den Journalisten spielen Fakten, Daten und Zahlen aber eine wichtigere Rolle. Denn der journalistische Anspruch bringt es mit sich, Aussagen mit klaren Belegen und verständlichen Nachweisen zu untermauern. Statt nur mit Ansichten zu hantieren, sollte der Betroffene deshalb schlüssige Beweise liefern.

Im Interview sollte er außerdem nicht herumeiern oder mit leeren Phrasen antworten, sondern konkret werden und präzise Aussagen machen. Dazu kann auch gehören, dem Journalisten zu erklären, dass sich der Betroffene zu dieser Frage nicht äußern will.

Eine solche Antwort ist allemal besser als ein sinnloses Geschwafel. Außerdem sinkt die Gefahr, dass der Artikel am Ende eine unerwartete Wendung nimmt, weil der Journalist bei seinen Recherchen auf andere Sachverhalte stößt. Und: Wenn der Betroffene möchte, dass bestimmte Fotos, Bilder, Tabellen oder Grafiken abgedruckt werden, dann sollte er auf der Rückseite vermerken, was die jeweilige Abbildung zeigt, wann sie entstanden ist und bei wem die Urheberrechte sind. Andernfalls kann der Journalist die Bilder nicht verwerten.

 

Fehler Nr. 12: Zu viele Infos auf einmal

In einen Zeitungsartikel passt nur eine begrenzte Anzahl an Informationen. Es ist nicht möglich, alle Hintergründe, Details und kleinsten Facetten einer Story in wenigen Zeilen unterzubringen.

Als Faustregel gilt deshalb: ein Beitrag, eine Botschaft. Wenn sich die Kernaussage eines Artikels nicht in einem, höchstens zwei Sätzen zusammenfassen lässt, ist der Text nicht gelungen. Möchte der Betroffene mehrere Thesen vermitteln, sollte er mit dem Journalisten eine Artikelserie vereinbaren.

 

Fehler Nr. 13: Falsches Rollenverständnis

Vor allem wenn der Betroffene möchte, dass in der Zeitung über ihn berichtet wird, sollte er die Rollen nicht verwechseln. Er ist derjenige, der in der Öffentlichkeit im Gespräch bleiben will. Und somit ist er auch derjenige, der etwas vom Journalisten möchte.

Der Journalist ist nicht auf diesen einen Betroffenen und seine Story angewiesen. Das aktuelle Zeitgeschehen liefert genug Material, um daraus Artikel zu kreieren, die die Leser interessieren. Der Journalist muss nicht darauf warten, dass ihm der Betroffene eine Meldung präsentiert. Folglich wird er auch nicht alles über Bord werfen, nur weil ihm der Betroffene einen Zeitpunkt und einen Termin nennt, an dem er mit dem Journalisten sprechen will. Der Betroffene sollte sich also darüber im Klaren sein, dass die Presse nicht auf ihn wartet.

 

Fehler Nr. 14: Nerven

Verständlicherweise möchte der Betroffene wissen, ob und wann sein Artikel in der Zeitung erscheint. Und es spricht nichts dagegen, wenn der Betroffene nach einiger Zeit freundlich nachfragt, wie denn die Chancen auf eine Veröffentlichung stehen. Allerdings sollte er es tunlichst unterlassen, den Journalist ständig mit Anrufen zu nerven.

Ob und wann ein Artikel erscheint, entscheidet nicht der Journalist alleine. Genauso nervig ist es aber auch, wenn der Betroffene permanent an sich erinnert und dem Journalisten jede noch so unbedeutende Kleinigkeit als Exklusivstory anbietet. Nicht jedes Erlebnis eines Prominenten ist gleich eine Schlagzeile wert!

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