Warum Zitate einen Artikel aufwerten können

Warum Zitate einen Artikel aufwerten können

„Ich bin ein Berliner“, „Yes, we can“, „Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage“, „I have a dream“ oder „Wir schaffen das“: Es gibt Zitate, die so berühmt sind und so viel Kraft haben, dass sie sich regelrecht ins Gedächtnis einbrennen. Doch für einen Zeitungsartikel oder Textbeitrag online müssen es gar nicht unbedingt weltbekannte Zitate sein. Ein kompetentes Statement genügt völlig.

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Warum Zitate einen Artikel aufwerten können

Warum Zitate einen Artikel aufwerten können

Ein Journalist, Texter oder PR-Verantwortliche möchte zum einen, dass sein Artikel möglichst in der Form veröffentlicht wird, in der er ihn einreicht. Es soll also keine Änderungen oder Kürzungen geben. Zum anderen möchte der Verfasser neben der Redaktion auch den Leser überzeugen.

An dieser Stelle kommen Zitate ins Spiel. Denn passende Zitate sind ein probates Mittel, um einem Artikel noch mehr Ausdruckskraft zu verleihen und seine Botschaft zu stärken. Dabei sind keine großen Statements namhafter Persönlichkeiten notwendig.

Die Aussage eines Experten, eines Betroffenen oder eines Kunden beispielsweise erzielt den gleichen und manchmal sogar einen noch größeren Effekt.

Doch inwiefern können Zitate einen Artikel aufwerten? Statements und wörtlich wiedergegebene Aussagen wirken vor allem in dreierlei Hinsicht.

Der erste Effekt ist, dass ein Zitat eine Behauptung glaubhaft unterstützen kann. Es kommt recht oft vor, dass der Verfasser einen Inhalt oder eine Botschaft vermitteln möchte, für die es kaum belastbare Daten und Fakten gibt.

Das Zitat eines Außenstehenden, der den Sachverhalt erklärt, seine Erfahrung schildert oder einen guten Tipp parat hat, kann dann überaus hilfreich sein. Denn eine Empfehlung aus erster Hand oder der Rat eines neutralen Experten wirkt glaubhafter und überzeugender als alle abstrakten Überlegungen und Ausführungen, die der Journalist zusammenträgt.

Außerdem kann der Journalist ein Zitat nutzen, um seinen Artikel lebendiger zu gestalten und den Leser zu überraschen. Das klappt besonders gut, wenn der Journalist einen Ausspruch einer bekannten Persönlichkeit wählt, der im Gegensatz zu seiner eigentlichen Botschaft steht.

Greift der Journalist diese These auf und widerlegt sie, schafft er einen Spannungsbogen, der die Aufmerksamkeit des Lesers weckt.

Ein Beispiel: Bei einer Pressekonferenz im Oktober 2013 mit dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama begann Kanzlerin Angela Merkel ihre Antwort auf eine Frage zum NSA-Überwachungsprogramm Prism mit den Worten: „Das Internet ist für uns alle Neuland.“

Dieses Zitat könnte der Journalist nutzen, um auf die Fortschritte in der Digitalisierung überzuleiten.

Als dritter Effekt kommt dazu, dass Zitate einem Artikel ein Gesicht geben können. Viele Themen sind abstrakte Gebilde. Geht es zum Beispiel um Wirtschaft und Finanzen oder die Gesundheit, sind die Aussagen oft nur schwer greifbar. Durch Zitate von Fachleuten, Arbeitnehmern, Anlegern oder Patienten bekommen die anonymen Erklärungen eine menschliche Stimme.

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Wie der Journalist Zitate einbinden sollte

Dass der Journalist die Zitier-Regeln einhalten muss, versteht sich von selbst. Dazu gehört unter anderem, die Aussage in Gänsefüßchen zu setzen und die Quelle zu benennen. Außerdem darf der Journalist eine Aussage nicht aus dem Zusammenhang reißen und ihr dadurch eine ganz andere Bedeutung geben.

Aber abgesehen von den Grundregeln, erfordert der Einsatz von Zitaten generell etwas Fingerspitzengefühl, damit sie ihre Wirkung nicht verfehlen.

Der Journalist sollte deshalb folgende vier Tipps beherzigen:

  1. Kurz und verständlich

Zitate sollten aussagekräftig sein und auf den Punkt kommen. Lange, verschachtelte Sätze oder Fachausdrücke, die einem Laien nicht geläufig sind, eignen sich für wörtliche Wiedergaben nicht. Das gilt auch dann, wenn der Zitierte sie exakt so gesagt hat.

In solchen Fällen sollte der Journalist das Zitat lieber in mehrere kurze Stücke aufteilen und getrennt wiedergeben. Das macht die Aussage verständlicher als ein langes, zusammenhängendes Zitat.

Eine andere Möglichkeit ist, dass der Journalist selbst ein knackiges Statement formuliert und sich die Aussage vom Zitierten absegnen lässt.

  1. Aus Sicht des Lesers

Auch wenn ein Zitat noch so schön klingt, perfekt zum Thema passt und von einem namhaften Promi stammt: Bevor der Journalist es in seinen Artikel einfügt, sollte er überlegen, ob die Aussage für den Leser relevant ist.

Der Leser hat nichts von schlauen Sprüchen, die eher den Zitierten in den Mittelpunkt rücken als das Thema des Beitrags.

  1. Keine Werbesprache

Wie jede andere Aussage und Erklärung im Artikel sollten auch Zitate einen Mehrwert haben. Es geht immer darum, dem Leser interessante, wissenswerte oder unterhaltsame Informationen zu vermitteln. Aus diesem Grund sollten Zitate keine platten Werbebotschaften sein.

Selbst wenn der Zitierte ein Unternehmen vertritt oder über ein Produkt spricht, sind Erklärungen, in denen er mehrfach einen Firmen-, Marken- oder Produktnamen nennt, tabu. Die Praxis zeigt, dass ein Redakteur solche Passagen in aller Regel aus dem Artikel streichen wird.

  1. Zitat mit Foto

Der Effekt eines Zitats lässt sich durch ein Foto des Zitierten steigern. Denn der Leser hat so gleich ein Gesicht vor Augen. Und der Journalist muss nicht lange nach passenden Bildern suchen, um seinen Artikel optisch abzurunden.

Hinzu kommt, dass eine Redaktion ein Zitat mit Bild zu schätzen weiß. Der Journalist nimmt ihr dadurch nämlich Arbeit ab. Selbst wenn das Bild später nicht abgedruckt wird, erhöht ein Foto die Chance auf eine Veröffentlichung.

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Hier schreiben Wolfgang Stocker, Jahrgang 69, freier Journalist, Sabine Lankmann, 37 Jahre, Inhaberin Medienagentur, Heiko Rieder, 44 Jahre, Journalist und Christian Gülcan, 44 Jahre, Webseiten-Betreiber und Redakteur. Wir möchten Wissenswertes vermitteln über die Pressearbeit und Journalismus, sowie einen Überblick über die Medienlandschaft in Deutschland geben.

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