Was sind Amts- und Gemeindeblätter?

Was sind Amts- und Gemeindeblätter?

Angesichts der schwindenden Auflagen von Tageszeitungen und Zeitschriften glaubt manch einer, dass das Ende der gedruckten Medien naht. Doch es gibt eine Mediengattung, die viele gar nicht auf den Schirm haben, die sich aber von Wandel und Strukturkrisen nahezu unbeeindruckt zeigt und gleichzeitig viel Potenzial für die Kommunikation mit Lesern bietet: Amts- und Gemeindeblätter.

Was sind Amts- und Gemeindeblätter

Viele Tages- und Wochenzeitungen haben es schwer, ihre Position zu behaupten. Fernsehen und Rundfunk, vor allem aber das Internet sind eine gewaltige Konkurrenz. Zeitschriften ergeht es nicht anders. Im Unterschied dazu haben Verleger von Amts- und Gemeindeblättern kaum Grund zur Klage. Ihr Produkt läuft gut.

Mit öffentlichen Bekanntmachungen und Kleinanzeigen ist es aber nicht getan. Vielmehr brauchen auch Amts- und Gemeindeblätter eine Zeitung als Mantel, die aktuelle Inhalte, spannende Themen und nützliche Tipps bereithält. Für Journalisten eröffnet deshalb auch dieses Printmedium durchaus eine interessante Bühne.

Was sind Amts- und Gemeindeblätter?

Ein kleiner Ort, irgendwo in Deutschland, irgendwann in den 1980er-Jahren: Einmal pro Monat liegt das Gemeindeblatt im Briefkasten. Es ist nicht unbedingt mit einer Zeitung im klassischen Sinne oder gar einem ansprechenden Hochglanzmagazin zu vergleichen.

Vielmehr sind es ein paar einfach gestaltete Seiten in Schwarzweiß. Trotzdem landet das Blättchen nicht achtlos im Papierkorb. Stattdessen nehmen es die Empfänger immer wieder in die Hand und blättern es aufmerksam durch.

Zum Beispiel, um sich über die Notdienste der Arztpraxen und Apotheken, die geänderten Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung, den kürzlich beschlossenen Haushalt der Kommune oder die Tagesordnung der kommenden Gemeinderatssitzung zu informieren. Oder um sich die Veranstaltungstipps und die Geburts-, Hochzeits- und Todesanzeigen anzuschauen.

Solche Erinnerungen dürften in sehr vielen Haushalten aufkommen. Und wirklich viel hat sich daran bis heute nicht geändert. Nur ist die Aufmachung von Amts- und Gemeindeblättern inzwischen etwas anders.

Gebietskörperschaften sind per Gesetz dazu verpflichtet, amtliche Bekanntmachungen zu veröffentlichen. Das kann zum Beispiel über entsprechende Aushänge im Rathaus und Schaukästen in den Ortsteilen erfolgen. Eine andere Möglichkeit sind eben Amts- und Gemeindeblätter.

In den vergangenen Jahrzehnten haben viele Gemeinden und Kommunen das Erstellen dieser Blätter an Verlage oder private Druckereien übertragen. Das hat dazu geführt, dass die Amts- und Gemeindeblätter heutzutage sowohl inhaltlich als auch optisch professioneller daherkommen.

Die Bekanntmachungen und Kleinanzeigen sind durch einen redaktionellen Teil ergänzt, der oft ein gutes Drittel der Blätter ausmacht. Optisch präsentieren sich die Blätter im klassischen Zeitungsformat oder als farbige Magazine. Außerdem sind die Amts- und Gemeindeblätter inzwischen vielerorts neben der traditionellen Printausgabe auch als E-Papier verfügbar.

Warum sind Amts- und Gemeindeblätter wirkungsvolle Medien?

Journalisten und auch Werbekunden reagieren mitunter skeptisch auf Veröffentlichungen in Amts- und Gemeindeblättern. Sie zweifeln an der Relevanz dieser Medien, stellen die Qualität in Frage oder wissen die Blätter gar nicht einzuordnen.

Tatsächlich sind Amts- und Gemeindeblätter aber gerade für Journalisten und Werbekunden überaus interessante Medien. In den vergangenen Jahren ist das redaktionelle Spektrum zunehmend vielseitiger geworden.

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Zwar stehen Themen mit direktem Bezug zum Ort und der umliegenden Region nach wie vor klar im Mittelpunkt. Doch sie werden durch verschiedenste Inhalte und verbraucherrelevante Informationen ergänzt. Dabei reicht die Palette von Reisetipps über Gesundheitsthemen bis hin zu Kunst und Kultur oder Anregungen für die Gartengestaltung.

Für die Gewerbetreibenden vor Ort schaffen solche Verbraucherthemen ein optimales Umfeld für ihre Werbeanzeigen. Die Werbeeinnahmen wiederum sind ein wichtiger Baustein bei der Finanzierung der Blätter.

Zumal die Leser die Blätter kostenfrei erhalten. Und Redakteure sowie Nachwuchsjournalisten finden in Amts- und Gemeindeblättern ein Printmedium, das es ihnen ermöglicht, ihre Beiträge vor Publikum zu präsentieren.

Dabei gibt es zwei Argumente, die klar für die Blätter sprechen:

  1. Hohe Leser-Blatt-Bindung

Der oben beschriebene Umgang mit Amts- und Gemeindeblättern spiegelt das typische Nutzungsverhalten der Leser wieder. Umfragen zufolge werten rund zwei Drittel der Empfänger ihr Amts- oder Gemeindeblatt als wichtigste Informationsquelle, um sich über das Geschehen vor Ort auf dem Laufenden zu halten.

Die Erklärung dafür liegt nahe. Selbst die Lokalzeitung hat einen weiteren Blick und deckt kleinere Nachrichten aus Ortsteilen und umliegenden Dörfern bestenfalls in Form von Randnotizen ab.

Im Unterschied dazu berichtet das Amts- oder Gemeindeblatt quasi über die Geschehnisse direkt vor der eigenen Haustür des Lesers. Genau das ist der Grund, warum die Leser ihr Blättchen so sehr schätzen und die Inhalte tatsächlich auch lesen.

  1. Gute Reichweite

Kommunale Nachrichtenblätter sind im Schnitt in 50 bis 70 Prozent aller Haushalte verfügbar. Die Abdeckung ist damit ungefähr doppelt so hoch wie bei einer Tageszeitung. Die Auflage eines Amts- oder Gemeindeblattes ist zwar überschaubar.

Oft sind es pro Blatt kaum mehr als wenige tausend Exemplare, teilweise sogar noch weniger. Allerdings stellen die Verlage in aller Regel Blätter für mehrere Gemeinden und Kommunen her. Damit erreicht die Gesamtauflage schnell eine Größenordnung im fünf- oder sechsstelligen Bereich.

Fazit

Natürlich hat ein kleines Amts- oder Gemeindeblatt nicht die Aussagekraft einer namhaften Tageszeitung. Trotzdem ist es eine interessante Plattform für verbraucherorientierte Inhalte mit Mehrwert.

Die hohe Haushaltsabdeckung sorgt dafür, dass veröffentliche Beiträge die Leser erreichen. Und die gute Leser-Blatt-Bindung stellt sicher, dass die Leser den Beiträgen Aufmerksamkeit schenken.

Gelingt es einem Journalisten, seinen Beitrag in einem Gemeindeblättchen unterzubringen, kann er fest davon ausgehen, dass die Leser seinen Artikel beachten und lesen werden. Bei Veröffentlichungen in überregionalen Zeitungen oder im Internet ist das längst nicht immer der Fall.

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Hier schreiben Wolfgang Stocker, Jahrgang 69, freier Journalist, Sabine Lankmann, 37 Jahre, Inhaberin Medienagentur, Heiko Rieder, 44 Jahre, Journalist und Christian Gülcan, 44 Jahre, Webseiten-Betreiber und Redakteur. Wir möchten Wissenswertes vermitteln über die Pressearbeit und Journalismus, sowie einen Überblick über die Medienlandschaft in Deutschland geben.

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