5 Tipps für eine lesefreundliche Sprache

5 Tipps für eine lesefreundliche Sprache

Schon Arthur Schopenhauer empfahl, gewöhnliche Worte zu verwenden, um ungewöhnliche Dinge zu sagen. Tatsächlich ist die Sprache im Alltag allgegenwärtig. Egal, ob etwas gefragt, erklärt oder geschrieben wird, als Instrument kommt die Sprache zum Einsatz. Für Journalisten, Autoren und Texter ist die Sprache sogar das wichtigste Werkzeug, das sie haben.

5 Tipps für eine lesefreundliche Sprache

Dabei können Worte sachlich informieren oder unterhalten. Doch sie können genauso beeinflussen und manipulieren. Dabei ist die geschriebene Sprache noch einmal eine andere Hausnummer. Denn Artikel und Texte, die in einer Zeitung oder auf einer Internetseite veröffentlicht wurden, lassen sich nicht ohne Weiteres rückgängig machen.

Andererseits sollen Beiträge Aufmerksamkeit und Interesse wecken. Sie sollen das Publikum dazu anregen, die Texte gerne zu lesen. Das wiederum setzt nicht nur spannende Inhalte mit Mehrwert, sondern auch eine lesefreundliche Sprache voraus. Doch wann ist eine Sprache gut und lesefreundlich?

Hier sind fünf Tipps!:

  1. Kein hochgestochener Nominalstil

Die Wörter sollen bei den Lesern Verknüpfungen hervorrufen und Zusammenhänge aufzeigen. Die Leser sollen die Informationen und Aussagen einerseits sofort verstehen und erfassen können, andererseits aber auch zum Nachdenken angeregt werden. Es geht also am Ende darum, dass in den Köpfen der Leser Bilder entstehen.

Damit das gelingt, sollte der Verfasser möglichst auf den Nominalstil verzichten. Denn durch aneinandergereihte Hauptwörter werden die Sätze schnell zu abstrakt. Die Inhalte sind nicht mehr richtig greifbar, sondern klingen umständlich und kompliziert.

Außerdem wird ein Text nicht besser oder hochwertiger, nur weil er in hochgestochenem Beamtendeutsch formuliert ist. Ganz im Gegenteil, zeichnet einen lesefreundlichen Text gerade aus, dass er in einer einfachen und verständlichen Sprache daherkommt.

  1. Adjektive in Maßen

Im Deutschunterricht lernen die Schüler oft, dass sie viele Adjektive verwenden sollen, damit die Sprache beschreibt und lebendig wirkt. Doch das Motto „Viel hilft viel“ trifft es längst nicht immer.

Ein Beispiel:

„Das schöne, sonnige, sommerliche und herrlich warme Wetter lockte viele Besucher an die Badeseen.“ Dieser Satz zeigt, dass Adjektive miteinander konkurrieren können. Zudem drücken sie ohnehin Ähnliches aus.

Statt einen Text künstlich aufzublähen, ist es deshalb sinnvoller, nur ein oder zwei Adjektive zu verwenden, die den Sachverhalt auf den Punkt bringen. Eine Formulierung wie „Das sonnige Sommerwetter“ genügt völlig, um dem Leser zu vermitteln, worum es geht.

  1. Doppelungen vermeiden

In einen Text schleichen sich gerne Redewendungen ein, bei denen mehrere Wörter aneinandergereiht werden, die inhaltlich die gleiche Bedeutung haben und keine neuen Informationen beisteuern. Der rhetorische Fachbegriff für solche Doppelungen heißt Pleonasmus.

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Es gibt zwar Doppelungen, die der Verfasser ganz bewusst einsetzt, um damit eine Aussage zu verstärken oder einer Information mehr Gewicht beizumessen. Doch Doppelungen, die keinen rhetorischen Hintergrund haben, gelten als stilistischer Fehler.

Beispiele für solche überflüssigen Doppelungen sind großer Riese, runder Kreis, nasser Regen, manuelle Handarbeit, permanente Dauerbelastung, aktueller Ist-Zustand oder normaler Standard.

Für eine gute und lesefreundliche Sprache sollte der Verfasser auf überflüssige Wiederholungen verzichten. Zumal er damit nicht nur keinen Informationswert liefert, sondern sogar für Verwirrung sorgen kann.

Berichtet er nämlich zum Beispiel von zwei Zwillingen, wird sich der Leser fragen, ob der Verfasser ein Geschwisterpaar oder zwei Personen meint, die jeweils einem Zwillingspaar angehören.

  1. Aussagekräftige Verben

Verben verleihen einem Text Dynamik. Allerdings gibt es bessere und schlechtere Verben. Nichtssagende und statische Verben sollte der Verfasser nur einsetzen, wenn es nicht anders geht. Denn Wörter wie „sein“, „bestehen“ oder „verharren“ rufen beim Leser kaum Bilder hervor.

Anders ist das bei Verben wie „laufen“, schreien“ oder „lächeln“. Solche Wörter beschreiben eine Tätigkeit, die der Leser sofort vor Augen hat.

Der Lesefreundlichkeit wegen sollte der Verfasser außerdem Vorsilben streichen, die nicht notwendig sind. So genügt es, wenn er „lesen“ statt „durchlesen“, „ändern“ statt „abändern“ oder „streichen“ statt „durchstreichen“ schreibt.

  1. Präzise formulieren

Auch wenn ein Text in einer einfachen und verständlichen Sprache geschrieben ist, heißt das nicht, dass er langweilig sein sollte. Der Verfasser kann und sollte durchaus mit den Wörtern spielen und abwechslungsreich formulieren.

Allerdings sollte er darauf achten, dass er Begriffe richtig und präzise verwendet. Ein Beispiel dafür ist das Wortpaar Urlaub und Ferien. Urlaub haben Arbeitnehmer. Außerdem fährt jemand in den Urlaub, wenn er verreist. Ferien hingegen haben Schüler, Lehrkräfte und auch Politiker.

Doch es ist nicht möglich, in die Ferien zu fahren. Stattdessen kann jemand während der Ferien wegfahren und dann seine Ferien an einem bestimmten Ort verbringen.

Gerade im Journalismus sind präzise Formulierungen sehr wichtig. Sonst ergibt sich womöglich eine Aussage, die der Journalist so nicht gemeint hat und die schlicht falsch ist, die der Leser aber für bahre Münze nimmt.

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Hier schreiben Wolfgang Stocker, Jahrgang 69, freier Journalist, Sabine Lankmann, 37 Jahre, Inhaberin Medienagentur, Heiko Rieder, 44 Jahre, Journalist und Christian Gülcan, 44 Jahre, Webseiten-Betreiber und Redakteur. Wir möchten Wissenswertes vermitteln über die Pressearbeit und Journalismus, sowie einen Überblick über die Medienlandschaft in Deutschland geben.

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