Infos und Tipps rund um den Satellitenjournalismus

Infos und Tipps rund um den Satellitenjournalismus

Es ist nicht wirklich neu, dass Journalisten zu Recherchezwecken und für ihre Geschichten Satellitenmaterial nutzen. Doch die Ukraine-Krise könnte dazu beitragen, dass sich der Satellitenjournalismus zu einer Standard-Anwendung entwickelt. Aber woher bekommen Journalisten eigentlich das Material? Wie können sie es verwenden? Und welche Stolpersteine drohen?

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Infos und Tipps rund um den Satellitenjournalismus

Wir haben Infos und Tipps rund um den Satellitenjournalismus zusammengestellt!:

Recherche aus der Distanz

Wenn irgendwann in der Zukunft über den Ukraine-Krieg gesprochen werden wird, wird ziemlich sicher ein Bild auftauchen: die Satellitenaufnahme eines sehr langen Konvois aus russischen Militärfahrzeugen, der sich auf Kiew zubewegt.

Diese und ähnliche Aufnahmen prägen zusammen mit privaten Handyvideos das Bild, das die Öffentlichkeit von den aktuellen Geschehnissen hat. Die  Fotos und Videos bilden die Grundlage von Analysen, erscheinen in Nachrichten, bebildern Zeitungsartikel und werden in Talkshows eingeblendet.

Der Satellitenjournalismus ist kein neuartiger Trend, erfährt aktuell aber besondere Aufmerksamkeit. Gleichzeitig wird er zunehmend zu einer spannenden Quelle für die Tagesarbeit und auch für umfangreichere Projekte. Dabei ist der Satellitenjournalismus letztlich ein Teilbereich der sogenannten Open Source Intelligence (OSINT).

Sie beschreibt Recherchen mittels Internet und neuen Technologien. Dazu wiederum zählt die Auswertung von sozialen Medien und eben auch die Nutzung von Radar- und Satellitendaten.

Inzwischen gibt es über 4.000 Satelliten, die Daten aus dem All liefern. Und was früher in erster Linie für Geheimdienste bestimmt war, steht nun unter anderem auch Journalisten und Nichtregierungsorganisationen offen.

Dabei ist Satellitenmaterial vor allem bei Themen interessant, die sich weiter weg abspielen. Denn aus Budget-, Zeit- oder auch Sicherheitsgründen können Journalisten oft nicht an alle relevanten Orte reisen, um dort live und direkt zu recherchieren. Die Daten aus dem All können solche Lücken schließen.

Mehrere Fallstricke

Um Satellitenbilder sach- und fachgerecht zu nutzen, müssen Journalisten mehrere Herausforderungen meistern. Diese sind sowohl inhaltlicher als auch technischer Natur.

Im Unterschied zu einer normalen Recherche bleibt bei einer Story, die sich ausschließlich auf Satellitenmaterial stützt und bei der die Verifizierung vor Ort entfällt, immer ein Rest Unsicherheit bestehen.

Der Journalist hat zwar die Möglichkeit, per Knopfdruck an Orte zu gelangen, die ansonsten vielleicht kaum zugänglich wären. Nur besteht immer auch ein gewisses Restrisiko, dass er aus den Bildern falsche Schlüsse zieht.

Ein anderer Aspekt ist, die Daten aus technischer Sicht zu beurteilen. Die vielen verschiedenen Satelliten arbeiten mit einer entsprechend großen Vielzahl an Aufzeichnungsverfahren.

Je nachdem, wie oft der Satellit an einem Gebiet vorbeikommt, variieren die Frequenz und die Taktung der Aufnahmen. Auch mit Blick auf die Auflösung der Bilder gibt es Unterschiede.

Andererseits kann der Journalist Satellitenmaterial auch vergleichsweise einfach einsetzen. Ein Beispiel dafür ist die sogenannte Geolocation. Bei diesem Verfahren sucht sich der Journalist zuerst im Internet oder in den sozialen Netzwerken gezielt Fotos und Videos heraus, die zu seinem Thema passen oder ein bestimmtes Ereignis dokumentieren.

Anschließend kontrolliert er die Aufnahmen auf Details, die aus der Vogelperspektive besonders gut zu erkennen sind. Bei diesen Details kann es sich zum Beispiel um Gebäude, Straßen oder markante Kreuzungen handeln. Danach nimmt er Satellitenbilder dazu und gleicht sie ab. Anhand der Details kann der Journalist dann die Orte verifizieren und Zusammenhänge herstellen.

Verschiedene Preisklassen

Durch Satellitenbilder spart der Journalist zwar seine Reisekosten ein. Allerdings stellt sich die Frage, aus welchen Quellen er die Aufnahmen beziehen kann und welche Kosten dafür anfallen.

Tatsächlich gibt es sogar frei zugängliches Satellitenmaterial. Eine der wichtigsten Quellen dabei ist „Google Earth pro“, das kostenfrei zur Verfügung steht.

Die Plattform bietet Bilder von fast allen Orten weltweit in einer oft guten Auflösung und vor allem bei größeren Städten wird das Bildmaterial auch regelmäßig aktualisiert. Trotzdem muss sich der Journalist natürlich mit dem begnügen, was eben vorhanden ist.

Daneben gibt es diverse andere Anbieter, die eigene Satelliten betreiben und deren Aufnahmen bereitstellen. Eine Initiative der europäischen Weltraumbehörde ESA zum Beispiel veröffentlicht regelmäßig kostenfreie Aufnahmen des Satelliten Kopernikus.

Gerade wenn es um aktuelle Geschehnisse geht, liefern einige Anbieter themenbezogen kostenfreies Bildmaterial.

Braucht der Journalist spezielle Bilder für seine Story oder ist er auf tagesaktuelles Material angewiesen, wird ihm mitunter nichts anderes übrig bleiben, als solche Aufnahmen zu kaufen.

Doch für ein Foto können dann schnell 1.000 Euro und mehr fällig werden. Andererseits lohnt es sich, bei den Anbietern nachzufragen und auf die journalistische Nutzung hinzuweisen. Oft ist es dann nämlich möglich, bessere Konditionen auszuhandeln.

Der Einstieg in den Satellitenjournalismus

Viele Experten sind der Ansicht, dass Journalisten Satellitenbilder nutzen und dabei möglichst vielfältig einsetzen sollten. Die Aufnahmen nur als schmückendes Bildmaterial zu verwenden, schöpft das Potenzial nicht aus. Genauso ist es schade, wenn die Bilder nur bei großen Geschichten mit internationalem oder investigativem Bezug zur Anwendung kommen.

Gerade im lokalen Journalismus können Satellitenbilder ihre Stärken ausspielen. Berichtet der Journalist zum Beispiel über ein Bauprojekt, kann er die Entwicklungen anhand des Bildmaterials dokumentieren.

Wurden Gebäude abgerissen oder Bäume gefällt? Wo wurden neue Gebäude errichtet und Straßen gebaut? Inwieweit weicht das Projekt von den ursprünglichen Bauplänen ab? Wie sieht das ganze Gelände überhaupt von oben aus? All das sind Fragen, die der Journalist mithilfe von Satellitenbildern beantworten kann. Gleichzeitig kann er auf diese Weise unkompliziert und ohne großen Aufwand in den Satellitenjournalismus einsteigen.

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Hier schreiben Wolfgang Stocker, Jahrgang 69, freier Journalist, Sabine Lankmann, 37 Jahre, Inhaberin Medienagentur, Heiko Rieder, 44 Jahre, Journalist und Christian Gülcan, 44 Jahre, Webseiten-Betreiber und Redakteur. Wir möchten Wissenswertes vermitteln über die Pressearbeit und Journalismus, sowie einen Überblick über die Medienlandschaft in Deutschland geben.

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