Ein Experte als Interviewpartner – 4 Tipps zur Auswahl

Ein Experte als Interviewpartner – 4 Tipps zur Auswahl 

Einige Themen erfordern die Einschätzung oder die Erklärungen eines Experten. Andere Themen lassen sich anschaulicher aufbereiten, wenn ein Experte Rede und Antwort steht. Doch es ist gar nicht so einfach, den richtigen Gesprächspartner zu finden.

Informative Aussagen, spannende Erklärungen, auf den Punkt gebrachte Einschätzungen, unterhaltsame Anekdoten, hilfreiches Wissen zu den Hintergründen und Zusammenhängen oder Sichtweisen, die so zuvor noch nie kommuniziert wurden:

Im Idealfall kann ein Experteninterview all das leisten. Die Wirklichkeit sieht jedoch oft anders aus. Denn nicht jeder Jurist ist der richtige Gesprächspartner für einen Beitrag im Stil von “Fünf Fragen zum Bußgeldkatalog”, nicht jeder Mediziner für einen Artikel namens “Fünf Fragen zur Grippeimpfung”.

Nicht jedem Sportler oder Trainier lassen sich nach einem Sieg oder einer Niederlage brauchbare Informationen entlocken. Und selbst ein Journalist oder ein Schriftsteller ist nicht immer in der Lage, auf interessante Weise und reflektiert zum seinem Fachgebiet Auskunft zu geben oder konkrete Fragen direkt und ohne Umschweife zu beantworten.

Bloß weil jemand Experte ist, macht ihn das also nicht zwangsläufig auch zu einem guten Gesprächspartner. Doch was heißt das für die Praxis? Wie kann der Journalist vorgehen, um den richtigen Ansprechpartner zu finden?

Hier sind vier Tipps zur Auswahl eines Experten als Interviewpartner!

 

Tipp Nr. 1: Vorher über den Gesprächspartner informieren.

Dass der Interviewpartner ein Experte für sein Fachgebiet ist, ist eine wichtige Voraussetzung. Schließlich soll seine Kompetenz ja in das Gespräch einfließen und dabei helfen, das Thema zu veranschaulichen. Nur Fachwissen alleine genügt allerdings nicht.

Denn ein Zeitungsartikel richtet sich an ein breites Publikum. Deshalb muss der Experte sein Fachwissen so einfach, verständlich und nachvollziehbar vermitteln können, dass die Leser etwas damit anfangen können. Ein Aufsatz in einer Fachzeitschrift darf aus komplexen Formulierungen und Fachausdrücken bestehen. Denn er richtet sich an ein Publikum, das sich mit der Materie auskennt, im Thema ist und über das notwendige Hintergrundwissen verfügt.

Im Unterschied dazu soll ein Artikel in einem Massenmedium wie einer Tageszeitung dazu beitragen, dass die Leser anschaulich über den Sachverhalt informiert und aufgeklärt werden. Fachchinesisch hilft dabei nicht weiter. 

Der Journalist sollte bei der Auswahl seines Interviewpartners deshalb nicht nur darauf achten, was dieser zu sagen hat. Stattdessen sollte er auch recherchieren, wie der Interviewpartner spricht. Dazu kann er sich bereits veröffentlichte Interviews und Artikel anschauen. Möglicherweise kann auch eine Anfrage beim zuständigen Pressesprecher des Interviewpartners hilfreiche Erkenntnisse liefern.

 

Tipp Nr. 2: Sich umhören.

Vielleicht gibt es im näheren Umfeld jemanden, der der gewünschten Gesprächspartner kennt oder schon interviewt hat. Diese Person sollte der Journalist unbedingt befragen.

Auf diese Weise kann der Journalist nämlich in Erfahrung bringen, wie der Experte tickt, wozu er gut befragt werden kann und welche Themen besser nicht angesprochen werden sollten. Vielleicht gibt es im Umfeld aber auch eine Person, die einen guten Interviewpartner empfehlen kann, entweder aus eigener Erfahrung, weil ein Dritter diesen Experten vorschlägt oder auf Grundlage von Interviews und Beiträgen des Experten, die die Person gelesen hat.

 

Tipp Nr. 3: Den Interviewpartner auf das Gespräch vorbereiten.

Steht fest, wer der Interviewpartner werden soll, sollte der Journalist seinen Gesprächspartner auf das Interview vorbereiten. Dazu sollte der Journalist seinem Interviewpartner zum einen erklären, worum es in dem Interview gehen soll und worauf das Interview abzielt. Um den Sinn und Zweck zu verdeutlichen, kann der Journalist auch gleich ein paar Beispielfragen mitschicken.

Auf diese Weise kann sich der Interviewpartner ein gutes Bild davon machen, in welche Richtung das Gespräch gehen wird. Zum anderen sollte der Journalist seinen Interviewpartner über die Zielgruppe informieren.

Ist der Beitrag für den Kinderteil der Tageszeitung gedacht, muss der Experte die Fragen anders beantworten, als wenn das Interview im Regionalteil veröffentlicht oder in einem speziellen Ressort stehen wird. Je besser der Interviewpartner informiert ist, desto besser stehen die Chancen auf ein gelungenes und aussagekräftiges Interview.

 

Tipp Nr. 4: Abwägen, ob ein Doppelinterview sinnvoll sein könnte.

Es kann durchaus sinnvoll sein, zu einem Thema gleich zwei Experten an den Tisch zu holen. Dadurch kann der Sachverhalt aus zwei Perspektiven beleuchtet werden und durch die Diskussionen erfährt der Leser noch mehr spannende Infos. Allerdings muss der Journalist bei der Auswahl mit Bedacht vorgehen. Denn einerseits braucht er zwei Fachleute, die unterschiedliche Ansichten vertreten oder sich sonst irgendwie unterscheiden.

Wenn sich die Experten ständig einig sind und sich in allen Aussagen bestätigen, kann der Journalist das Interview auch gleich mit nur einem Gesprächspartner führen. Andererseits müssen die beiden Experten auf Augenhöhe miteinander kommunizieren.

Es bringt nichts, wenn sich die Fachleute gegenseitig nicht ernst nehmen, die Kompetenz des anderen anzweifeln oder sich nur streitlustig anfeinden. Ein vernünftiges Gespräch, das dem Leser verschiedene Blickwinkel näherbringt, kann so nicht zustande kommen. 

 

Und noch ein Tipp zum Schluss

Trotz sorgfältiger Recherche und guter Vorbereitung kann es passieren, dass das Interview einfach nicht besonders gut lief. Vielleicht hatte der Gesprächspartner einen schlechten Tag, möglicherweise wollte er die Fragen nur kurz beantworten und ansonsten lieber seine eigenen Inhalte und Aussagen unterbringen.

Eventuell lassen die Fragen keine andere Wahl, als sie entweder in Fachchinesisch oder mit langen, ausschweifenden Erklärungen zu beantworten. So etwas kommt vor. In diesem Fall fährt der Journalist oft am besten, wenn er einen normalen Artikel schreibt und die Aussagen aus dem Interview als Zitate einbaut. So kann aus dem langweiligen oder langatmigen Interview am Ende doch noch ein interessanter und aussagekräftiger Beitrag werden.

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