Was sind “eingebettete Journalisten (embedded journalists)”?

Was sind “eingebettete Journalisten (embedded journalists)”?

 

In der Nacht zum 20. März 2003 stiegen US-amerikanische Flugzeuge auf, um Bagdad zu bombardieren. Die US-amerikanische Bevölkerung konnte diesen Luftangriff in Echtzeit mitverfolgen, denn er wurde live im Fernsehen übertragen.

Der Irakkrieg, auch bekannt als Dritter Golfkrieg, war der erste Krieg, den die Medien von vorderster Front aus begleiteten. Hierfür wurden Journalisten militärischen Einheiten zugeordnet, um dann, als Teil der Einheit und eingebettet in die militärischen Operationen, hautnah über den Kriegsverlauf zu berichten. 

 

Was ging der Idee der “eingebetteten Journalisten“ voraus?

Grundsätzlich hat das Militär meist wenig Interesse an einer kritischen Berichterstattung. Je kritischer die Medien über einen Konflikt oder einen Krieg berichten, desto größer ist nämlich die Gefahr, dass der Zuspruch und der Rückhalt in der Heimat schwinden.

Dieses Phänomen zeigte sich beispielsweise während des Vietnamkrieges Mitte der 1960er-Jahre. Seinerzeit war es durch eine neue Satellitentechnologie erstmals möglich geworden, Bilder vom Kriegsgeschehen einzufangen und direkt in US-amerikanische Wohnzimmer zu senden.

Die Zuschauer wurden mit Bildern von heftigen Gefechten, brennenden Dörfern, verwundeten Soldaten und unzähligen Todesopfern konfrontiert. Die Folge davon war, dass die Zustimmung der Bevölkerung immer stärker verloren ging. Später wurde sogar als Bilanz gezogen, dass der Vietnamkrieg an der Front in der Heimat verloren worden wäre.

Da das Militär der Presse eine Mitschuld am schwindenden Rückhalt gab, beschloss es als Konsequenz ein generelles Verbot für Journalisten, vor Ort von der Invasion in Grenada Anfang der 1980er-Jahre zu berichten. Auch diese Lösung stellte sich im Nachhinein jedoch als Fehler heraus.

Da es den Journalisten untersagt war, anwesend zu sein und ihre Eindrücke vor Ort zu schildern, bekamen die Berichte über das Militär und sein Vorgehen nämlich eine sehr kritische, teils sogar ausgesprochen negative Note. 

Im Golfkrieg ab 1990 wurde deshalb mit einem anderen Konzept, dem sogenannten Pool-Prinzip, gearbeitet. Hierfür wählte das Militär einige Reporter und Fernsehteams aus und begleitete sie an ausgewählte Kriegsschauplätze. An diesen Orten durften die Journalisten recherchieren und drehen, wobei sie währenddessen permanent unter Aufsicht des Militärs standen.

Ihr Material mussten die Reporter und Fernsehteams anschließend mit den anderen Kollegen, die nicht vor Ort gewesen waren, teilen. Die Journalisten waren vom Pool-Prinzip alles andere als angetan.

Dies lag zum einen anderen, dass es strenge Regeln gab und es kaum möglich war, echte Einblicke in das Kriegsgeschehen zu nehmen. Was die Reporter zu sehen bekamen und welche Informationen sie verwerten durften, wurde nämlich genau kontrolliert. Zum anderen gab es keine Chance auf exklusive Berichte, weil allen Journalisten letztlich dasselbe und auch nur dieses Material zur Verfügung stand. 

 

Was sind “eingebettete Journalisten (embedded journalists)”?

Im Irakkrieg 2003 wurde schließlich der Begriff der “embedded journalists”, zu Deutsch “eingebettete Journalisten”, geprägt. Die Idee dahinter ist, dass Journalisten militärischen Einheiten zugeordnet sind, ihre Truppe permanent begleiten und so direkt aus militärischen Operationen heraus berichten können.

Das Kriegsgeschehen bekommt dadurch ein echtes, greifbares und nachvollziehbares Gesicht. Gleichzeitig bietet sich für die eingebetteten Journalisten die Aussicht auf Exklusivgeschichten. Die direkte Nähe zu den Soldaten und dem Kriegsgeschehen führte 2003 zu teils spektakulären Bildern von innovativer Waffentechnik, imposanten Duellen, faszinierenden Luftangriffen und Momentaufnahmen der Kulissen.

Für das Militär ergab sich durch die Einbettung der Journalisten der positive Nebeneffekt, dass die Berichterstattung kaum negativ ausfiel. Ganz im Gegenteil fühlten sich viele Journalisten nach einiger Zeit so sehr mit ihrer Einheit verbunden, dass sie regelmäßig in der Wir-Form berichteten.

Die nahe Anbindung der Presse brachte dem Militär daneben noch einen weiteren, nicht unwichtigen Vorteil ein. So konnte das Militär davon ausgehen, dass dem irakischen Militär im Fernsehen ständig vor Augen geführt werden würde, wie gut aufgestellt seine Gegner in Sachen Ausrüstung und Personal waren. Die moderne Form der Kriegsberichterstattung war somit auch eine Art Werbung und Kraftdemonstration.    

 

Was wird an der Einbettung von Journalisten kritisiert?

Zunächst scheint die Einbettung von Journalisten allen Beteiligten Vorteile zu bringen. Die Presse erhält exklusive Einblicke und kann weitgehend frei über das Kriegsgeschehen berichten. Das Militär kann sich, seine Ausstattung, sein Können und die erzielten Erfolge präsentieren, um sich so den Rückhalt in der Heimat zu sichern.

Die Zuschauer und Leser wiederum können hautnah mitverfolgen, was geschieht und wie sich das Geschehen entwickelt. Allerdings hat die Idee der eingebetteten Journalisten auch ihre Schattenseiten. Kritiker führen an, dass die Einbettung der Presse letztlich nur sicherstellen soll, dass die Journalisten ihre Informationen aus den richtigen Quellen beziehen.

Das Militär gibt zwar mehr Informationen preis als früher, steuert aber nach wie vor recht genau, welche Daten und Fakten publik werden. Ein Beleg hierfür ist, dass unabhängige, nicht eingebettete Journalisten kaum etwas über militärische Operationen erfahren. Zudem erleben sie nicht selten einen anderen Krieg. Während die eingebetteten Kollegen moderne Waffentechnik im Einsatz sehen, sind die unabhängigen Journalisten mit den direkten Folgen der Angriffe, etwa zerstörten Wohnhäusern, brennenden Fabriken, zerbombten Schulen und Krankenhäusern oder den Verletzten und Toten unter der Zivilbevölkerung, konfrontiert.

Ein weiterer großer Kritikpunkt ist die oft fehlende Neutralität. Einem Journalisten, der wochen- oder monatelang Teil einer Truppe ist, wird es schwerfallen, sachlich und distanziert über das Geschehen zu berichten. Noch schwieriger dürfte es für ihn sein, kritisch zu hinterfragen. Insofern besteht die Gefahr, dass die Berichterstattung eine zu subjektive Note bekommt.

 

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