Hintergrundwissen zum Stichwort “Digitaler Journalismus”

Hintergrundwissen zum Stichwort “Digitaler Journalismus”

 

Der Journalismus steht permanent unter Zeitdruck. Die Informationen, die als Nachrichten und aktuelle Meldungen um die Welt gehen sollen, sind nur solange wirklich wertvoll, bis sie das erste Mal veröffentlicht wurden.

Wenn die Konkurrenz schon über ein Ereignis berichtet hat, ist die Neuigkeit nicht mehr neu und die Schlagzeile kein Garant für die große, ungeteilte Aufmerksamkeit. Dabei ist die Konkurrenz riesig, denn Zeitungen, Zeitschriften und Rundfunkanstalten arbeiten mit Reportern in aller Welt zusammen und können so innerhalb von wenigen Minuten Nachrichten drucken, senden oder im Internet veröffentlichen.

Seit einiger Zeit hat der Faktor Schnelligkeit noch mehr an Bedeutung gewonnen. Durch die Digitalisierung ist es noch schneller möglich, Informationen abzurufen, zu verarbeiten und zu verbreiten.

Dabei hat die Digitalisierung in alle Bereiche des Journalismus Einzug gehalten, angefangen bei der Recherche über die Bearbeitung von Bildmaterial und die Aufbereitung von Texten bis hin zur Veröffentlichung der Beiträge. Grund genug, sich einmal näher mit dem Stichwort “Digitaler Journalismus” zu beschäftigen:

 

Der Wunsch, eigene Themenschwerpunkte zu setzen

Im Nachrichtengeschäft ist die Exklusivität einer der wichtigsten Faktoren. Die Presse- und Nachrichtenagenturen stellen zwar eine Fülle von Material zur Verfügung. Doch dieses Material kann jede Redaktion abrufen, so dass die Informationen und Bilder letztlich nichts Besonderes sind.

Hinzu kommt, dass es mit allgemein zugänglichem Material oft nur bedingt möglich ist, eigene Themenschwerpunkte zu setzen. Deshalb arbeiten die Redaktionen sehr gerne mit ihren eigenen Leuten vor Ort. Dadurch können sie nicht nur mit exklusivem Material arbeiten, sondern die Berichterstattung auch mit individuellen Schwerpunkten gestalten.

Voraussetzung für eine Einbindung des Reporters direkt in eine Nachrichtensendung ist ein spezieller Übertragungswagen. Dieser Übertragungswagen muss mit einer SNG-Einheit (SNG steht für Satellite News Gathering), einem Schnittplatz, Kameras und einer Satellitenschüssel ausgestattet sein.

Über die Satellitenschüssel werden die Bilder und Töne vom Übertragungswagen an einen Satelliten gesendet, dort verstärkt und an das Leitungsbüro der Redaktion geschickt, wo die Signale entweder direkt ausgestrahlt oder gespeichert werden können. Anders als früher ist die Live-Übertragung heute übrigens deutlich unkomplizierter und kostengünstiger.

Die Übertragungseinheiten sind klein und handlich, so dass sie der Reporter in aller Regel selbst bedienen kann. Tragbare Generatoren stellen die Stromversorgung unabhängig von der Infrastruktur vor Ort sicher und durch die Digitalisierung der Datenpakete vor dem Versand halten sich die Übertragungsdauern und -kosten in Grenzen. 

Digitale Arbeitsplätze in den Redaktionen

Vor allem das Internet hat die journalistische Arbeit revolutioniert. Durch digitale Redaktionssysteme können die Journalisten eingehendes Material sichten und bearbeiten, ohne dass zuvor Aufzeichnungen auf anderen Datenträgern notwendig sind.

Datenbanken, der Zugriff auf unzählige Internetseiten und Online-Ausgaben von inländischen und internationalen Zeitungen ist praktische und wichtige Hilfsmittel, wenn es darum geht, zu einem Thema zu recherchieren, Zusatzinformationen einzuholen oder Angaben abzugleichen.

Die Digitalisierung ist aber noch lange nicht abgeschlossen. Die öffentlich-rechtlichen und die privaten Sender planen, die analoge Technik in den kommenden Jahren komplett zu den Akten zu legen. Das gesamte Text-, Bild- und Tonmaterial soll auf einem Server abgelegt werden und von jedem Arbeitsplatz aus zugänglich sein.

Der Redakteur soll einen Beitrag dann nicht nur erstellen und bearbeiten, sondern auch gleich sendefertig schneiden.
Bisher arbeiten ein Journalist und ein Redakteur normalerweise mit einem Cutter zusammen.

Dabei werden die Einzelelemente eines Beitrags am Schnittplatz zusammengesetzt. Dafür werden die Inhalte zunächst digitalisiert, auf die Festplatte aufgespielt und anschließend mit einem Media Composer zum Beitrag zusammengefügt. Töne, Bilder, Animationen und andere Effekte können dann auch im Nachhinein noch eingesetzt, ausgetauscht oder entfernt werden. Auch ganze Passagen lassen sich verschieben oder neu anordnen. Dadurch ist es möglich, einen Beitrag sogar kurz vor Sendebeginn noch zu aktualisieren. 

 

Die Schattenseiten des digitalen Journalismus

Die Digitalisierung bietet zweifelsohne viele Vorteile und vereinfacht das journalistische Tagesgeschäft. Aber es gibt auch Schattenseiten. So haben inzwischen nahezu alle Zeitungen, Zeitschriften, Radio- und Fernsehsender eine eigene Homepage mit Beiträgen und Nachrichten.

Dadurch ist nicht nur die Konkurrenz sehr viel größer, sondern auch den klassischen Redaktionsschluss gibt es nicht mehr. Sobald eine Meldung eingeht, wird sie im Internet veröffentlicht. Für lange Recherchen bleibt da oft keine Zeit, denn schließlich möchte keine Redaktion ihrer Konkurrenz hinterherhinken und riskieren, dass potenzielle Leser zu einem anderen Anbieter abwandern.

In der Folge werden viele Meldungen einfach übernommen. Teilweise wird die Quelle dabei benannt, manchmal finden sich aber auch nur Formulierungen wie „wie amerikanische Zeitungen berichten“ oder „einem deutschen Wochenmagazin zufolge“ in den Beiträgen. Der enorme Konkurrenzdruck verleitet so manche Redaktion dazu, lieber eine Falschmeldung zu riskieren, als einen gut recherchierten Artikel zu veröffentlichen, der letztlich kaum Beachtung findet. 

 
Ein weiteres Phänomen im digitalen Nachrichtengeschäft ist die große Vorliebe für Live-Schaltungen. Reporter, die in Echtzeit vom Geschehen vor Ort berichten, Bilder zeigen oder Interviews mit Beteiligten oder Betroffenen führen, lassen einen Beitrag lebendiger und interessanter erscheinen.

Deshalb werden mitunter auch dann Live-Schaltungen in eine Nachrichtensendung integriert, wenn der Reporter eigentlich gar nichts Neues zu berichten weiß. Der Zuschauer fühlt sich jedoch bestens informiert. Absurd werden solche Schaltungen aber dann, wenn sie schon Stunden vor der Sendung aufgezeichnet und bei der Ausstrahlung wie eine echte Live-Schaltung präsentiert werden.

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