Wie arbeiten Nachrichtenagenturen aktuell?

Wie arbeiten Nachrichtenagenturen aktuell?

 

Nachrichten- und Presseagenturen sind Unternehmen, die Nachrichten und Meldungen mit Informationen über aktuelle Ereignisse herausgeben. Bei den Nachrichten kann es sich um Meldungen in Textform, um Bilder und um Film- oder Automaterial handeln.

Abnehmer der Nachrichten sind hauptsächlich die Redaktionen von Zeitungen, von Nachrichtensendungen in Funk und Fernsehen sowie Internetportale.

 

Im weltweiten Nachrichtenfluss kommt den Nachrichten- und Presseagenturen eine tragende Rolle zu. So wäre früher eine überregionale und internationale Berichterstattung ohne die Agenturen nahezu unmöglich gewesen.

Der Siegeszug des Internets und auch die sinkenden Auflagenzahlen bei Zeitungen stellen die Agenturen zwar vor größere Herausforderungen. Insgesamt sind sie jedoch nach wie vor unverzichtbar.

Weltweit gibt es derzeit über 180 Presse- und Nachrichtenagenturen, wobei die meisten von ihnen nur den Pressemarkt ihres eigenen Landes mit Meldungen beliefern.

 

Aber wie arbeiten Nachrichtenagenturen eigentlich?

 

Die Meldungen von Nachrichtenagenturen

Nachrichtenagenturen erstellen Inhalte für alle Arten von Medien. Gleichzeitig greifen auch sämtliche Medien auf Nachrichtenagenturen zurück. So sind es nicht nur Zeitungen, Fernseh- und Rundfunkanstalten oder Internetportale, die Meldungen abrufen.

Auch Verbände, die Politik und Wirtschaftsunternehmen greifen auf Nachrichtenagenturen zurück, um sich Informationen zu beschaffen. Dabei praktizieren die Nachrichtenagenturen das sogenannte Gatekeeping.

Das bedeutet, als eine Art Nachrichtengroßhändler treffen die Agenturen eine Vorauswahl. Sie entscheiden darüber, welche Meldungen wichtig sind und bearbeitet sowie weitergeleitet werden, welche Ereignisse eine Mitteilung wert sind, welche Nachrichten die Aussendung von Korrespondenten oder Reportern erfordern und welche Meldungen nicht weiter verfolgt werden.

Traditionellerweise sind die Meldungen der Agenturen so objektiv wie möglich und ohne politische Färbung gehalten. Dies begründet sich zum einen in der journalistischen Ethik. Zum anderen wird es auf diese Weise möglich, unterschiedlichste Abnehmer zu bedienen, die ihrerseits die Berichterstattung dann in eine bestimmte Richtung lenken können.

Die Meldungen werden von Redakteuren formuliert, teilweise arbeiten auch freie Journalisten auf Honorarbasis für die Agenturen. Insgesamt genießen die Agenturmeldungen den Ruf, gut recherchiert und verlässlich zu sein. Deshalb werden die Nachrichten von den Medien oft ungeprüft übernommen. Sollte einmal eine falsche Meldung ausgesendet werden, wird dies umgehend korrigiert und schnellstmöglich an die Redaktionen weitergeleitet. 

Die Nachrichten selbst enthalten eine Fülle von Abkürzungen. Diese informieren unter anderem über den Zeitpunkt des Versands, die Priorität, die Länge oder das Ressort. So steht das Kürzel pl beispielsweise für Politik, das Kürzel wi für Wirtschaft. Zudem werden jeder Nachricht thematische Stichworte zugeordnet. Die Redaktionen können dadurch auf den ersten Blick erkennen, womit sich die Meldung inhaltlich beschäftigt.

Der erste Satz der Meldung ist der sogenannte Lead. Er soll aus maximal 30 Wörtern bestehen, im Perfekt formuliert sein und als eine Art präzise Einleitung zum Weiterlesen animieren. Die Nachricht selbst sollte sich auf maximal 700 Zeichen beschränken, eine Reportage kann zwischen 4.000 und 5.000 Zeichen umfassen. Meist versenden die Nachrichtenagenturen zunächst Meldungen, die aus zehn Zeilen bestehen. In den darauffolgenden Stunden werden die Meldungen dann um ausführlichere Informationen ergänzt. 

 

Die Dringlichkeitsstufen von Agenturmeldungen

Den Meldungen von Nachrichtenagenturen werden verschiedene Prioritäten zugeordnet:

·         Die höchste Dringlichkeitsstufe hat die Blitzmeldung. Sie kommt jedoch nur bei außerordentlich wichtigen Ereignissen zur Anwendung, beispielsweise bei einem Kriegsbeginn oder wenn eine herausragende Persönlichkeit gestorben ist. Im Zeitraum zwischen 1951 und Anfang 2013 wurden gerade einmal 26 Meldungen als Blitzmeldung verschickt.

·         Die zweite Dringlichkeitsstufe ist die Eilmeldung. Sie kommt bei sehr wichtigen Ereignissen zum Einsatz, etwa bei Naturkatastrophen, weitreichenden politischen Entscheidungen oder außergewöhnlichen Geschehnissen. Außerdem wird die Eilmeldung verwendet, um eine zuvor verschickte Falschmeldung zu korrigieren. Um sicherzustellen, dass die Nachricht nicht übersehen wird, wird eine solche Korrekturmeldung meist zweimal übermittelt.

·         Als dritte Dringlichkeitsstufe gibt es die Schnellmeldung. Hierbei handelt es sich um eine Meldung, die knapp und präzise über ein aktuelles Ereignis informiert. Im Hinblick auf die Dringlichkeit wird die Meldung als normal eingestuft. 

Ähnlich wie Redaktionen, die es sich meist schlichtweg nicht leisten können, in ganz Deutschland oder gar überall auf der Welt eigene Korrespondenten zu unterhalten, sind aber auch die Nachrichtenagenturen nicht überall mit eigenen Korrespondenten vertreten. Stattdessen kooperieren sie oft mit den ausländischen Nachrichtenagenturen vor Ort, arbeiten mit Fachleuten zusammen und werten mitunter auch Berichte aus anderen Medien aus. 

 

Die Verarbeitung der Agenturmeldungen in den Redaktionen

Von welchen Nachrichtenagenturen sich die Redaktionen beliefern lassen, entscheiden sie selbst. In Deutschland ist dabei die dpa die unangefochtene Marktführerin und wird deshalb auch Primäragentur genannt.

Die Redaktionen von Tageszeitungen arbeiten im Durchschnitt mit zwei bis drei Nachrichtenagenturen zusammen, über zwei Drittel aller Tageszeitungen lassen sich von drei bis fünf Nachrichtenagenturen beliefern. Zusätzlich zu den Basisdiensten greifen viele Redaktionen außerdem gelegentlich auch auf themenspezifische Agenturen zurück, beispielsweise wenn ein Sonderthema geplant ist.

Die Preise für die Dienste der Nachrichtenagenturen richten sich zum einen danach, wie umfangreich die in Anspruch genommenen Dienste sind. Zum anderen hängen sie bei Printmedien von der Auflage und bei elektronischen Medien von der Reichweite ab. Dadurch soll ein gerechtes Preisgefüge innerhalb des Pressewesens gewährleistet werden.

Die eingegangenen Meldungen werden in den Redaktionen teilweise zu eigenen Artikeln weiterverarbeitet und dabei oft mit Zusatzinformationen und den Ergebnissen der eigenen Recherche ergänzt. Teilweise werden die Meldungen aber auch wörtlich übernommen abgedruckt. In diesem Fall wird das Kürzel der jeweiligen Nachrichtenagentur vor den Artikel gesetzt. Presserechtlich gilt aber dennoch die sogenannte Verteilerhaftung. Das bedeutet, die Verantwortung für die Publikation trägt stets der Chefredakteur oder der Ressortleiter.

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