Typische Fehlerquellen beim Überprüfen von Fakten, Teil II

Typische Fehlerquellen beim Überprüfen von Fakten, Teil II

 

Die Recherche ist ein sehr wichtiger Teil der journalistischen Arbeit. Schließlich erwartet der Leser völlig zu Recht, dass die Inhalte eines Artikels oder einer Meldung der Wahrheit entsprechen.

Für den Journalisten heißt das, dass er zum einen Daten, Fakten, Inhalte und Hintergrundinformationen zusammentragen muss. Zum anderen muss er seine zusammengetragenen Informationen auf Richtigkeit hin prüfen. Erst danach kann er damit beginnen, seinen Text zu formulieren.

Allerdings können sich gerade beim Überprüfen der Inhalte Fehler einschleichen. Der erste Teil dieser Übersicht hat bereits vier typische Fehlerquellen beim Überprüfen von Fakten genannt.

 

Hier kommt nun Teil II:

 

Fehlerquelle Nr. 5: die Prüfung auf offensichtliche Fakten beschränken

Der Journalist ist grundsätzlich für alle Behauptungen und Aussagen verantwortlich, die er in seinen Text einbettet. Ob es sich bei den Inhalten um Daten und Fakten, um beiläufige Kommentare oder um Zitate handelt, spielt letztlich keine Rolle. Sobald der Journalist eine Aussage formuliert, trägt er dazu bei, dass diese Aussage der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt und dort verbreitet wird.

Der Leser wiederum geht davon aus, dass die Inhalte eines Textes der Wahrheit entsprechen. Eine Behauptung, die so nicht wahr oder komplett falsch ist, verbreitet sich folglich genauso wie eine wahre und richtige Aussage. Wichtig ist deshalb, dass der Journalist alle Aussagen prüft und dabei nicht nur offensichtliche Fakten berücksichtigt. Dies gilt auch für Zitate.

Meinungsäußerungen geben zwar die Ansicht desjenigen wieder, der zitiert wird. Aber auch Meinungsäußerungen enthalten Tatsachenbehauptungen, die überprüft werden können und sollten. Natürlich heißt das nun nicht, dass der Journalist Zitate abändern darf. Stellt er aber fest, dass die zitierte Person von falschen Tatsachen ausgeht, sollte er dies anmerken.

Gleiches gilt für Zitate und Aussagen, die falsch interpretiert werden könnten. Berichtet der Journalist beispielsweise über eine Operation und beschreibt er, dass die Narkose wegen bestimmter Vorerkrankungen des Patienten ein großes Risiko war und dass der Patient die OP nicht überlebt hat, würde der Eindruck entstehen, dass die risikoreiche Narkose und der Tod des Patienten kausal zusammenhängen.

Hatte der Tod des Patienten aber eine andere Ursache, muss der Journalist dies klarstellen.     

 

Fehlerquelle Nr. 6: Fakten einfach weglassen

Es ist nicht immer möglich, alle Daten und Aussagen bis ins kleinste Detail zu prüfen. Dennoch sollte der Journalist relevante Angaben nicht einfach weglassen. Für den Leser wird es dadurch schwieriger, die Meldung richtig einzuordnen. Zudem gibt es Lösungen, wie auch Tatsachen, die nur bedingt überprüfbar sind, in einen Text eingebaut werden können.

So kann es durchaus sein, dass ein Artikel oder eine Meldung ohne Fakten auskommt, die tief ins Detail gehen. Berichtet der Journalist beispielsweise über ein Buschfeuer in Australien, spielt es für den Leser in Deutschland keine große Rolle, ob der brennende Wald nun 150 oder 200 Kilometer von Melbourne entfernt ist.

Hier genügt es, wenn der Journalist die Meldung auf die Angaben beschränkt, die er sicher weiß. Er könnte also beispielsweise vom Großraum Melbourne oder dem Bundesstaat Victoria schreiben. So riskiert er nicht, falsche Tatsachen in seinem Text zu nennen.

Bei Fakten, deren Wahrheitsgehalt nicht durch eine zweite, unabhängige Quelle bestätigt werden kann, hat der Journalist die Möglichkeit, seine Quelle zu nennen.

Er kann also Formulierungen wie „nach Angaben von …“, „wie das Unternehmen/das Ministerium/der Verband … berichtet“ oder „laut eigener Aussage“ verwenden.

 

Fehlerquelle Nr. 7: nicht aufmerksam genug arbeiten

Namen, Ortsangaben und Zahlen sind die Fakten, bei denen sich am häufigsten Fehler einschleichen. Hier sollte der Journalist also besonders aufmerksam vorgehen. Schließlich ist es nicht nur peinlich, wenn der Name einer Person oder einer Stadt falsch geschrieben ist.

Führt die Falschangabe zu Verwechslungen, kann sogar juristischer Ärger die Folge eines scheinbar harmlosen Rechtschreibfehlers sein. Gleiches gilt für fehlerhafte Zahlen und Mengen. Immerhin ist es ein großer Unterschied, ob jemand zu 5 Monaten oder zu 5 Jahren Haft verurteilt wurde oder ob jemand bei einer Verkehrskontrolle 1,3 oder 3,3 Promille Alkohol im Blut hatte.

Neben der Schreibweise sollte der Journalist aber auch auf die inhaltliche Logik achten. Berichtet der Journalist beispielsweise über ein Bauvorhaben, das statt der geplanten 3 Millionen Euro am Ende 5 Millionen Euro gekostet hat, kann er in einem späteren Abschnitt nicht schreiben, dass das letztlich fast dreimal so teure Bauprojekt bei den Bürger auf geteilte Meinungen stößt.

 

Fehlerquelle Nr. 8: die Chancen der Faktenprüfung nicht erkennen

In den Redaktionen herrscht mitunter großer Zeitdruck. So mancher Journalist ist deshalb froh, wenn er seine Informationen zusammengetragen hat und den Abgabetermin voraussichtlich einhalten kann. Das Prüfen der Fakten wird als eine notwendige, oft aber eher lästige Übung empfunden.

Allerdings verkennt der Journalist dabei, dass er durch das Prüfen nicht nur seiner Sorgfaltspflicht nachkommt und sich selbst vor Fehlern schützt. Stattdessen kann gerade das Prüfen der Fakten dazu führen, dass der Journalist auf zusätzliche Informationen, weitere Details und interessante Aspekte stößt, die seinen Text bereichern und noch lesenswerter machen.

In diesem Zusammenhang ist übrigens sinnvoll, wenn der Journalist nicht nur auf das Internet zurückgreift. Natürlich ist es bequem, praktisch und zeitsparend, wenn der Journalist online recherchiert und verifiziert. Neben dem Internet gibt es aber noch eine ganze Reihe anderer Methoden, angefangen bei Bibliotheken und Archiven bis hin zu persönlichen Kontakten und Interviews.

Gerade dann, wenn der Journalist die volle Bandbreite seiner Möglichkeiten ausschöpft und nicht nur auf die leicht zugänglichen Inhalte zurückgreift, kann er spannende Fakten aufspüren und seinen Lesern so einen Text mit echtem Mehrwert bieten.

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