Skandale und die Presse

Skandale und die Presse

 

Politische Skandale erregen Aufmerksamkeit, sorgen für hitzige Diskussionen und werden in den Medien genauso ausführlich thematisiert wie am Stammtisch.

Namhafte Politiker haben schließlich nicht nur eine Vorbildfunktion, sondern wurden durch ihre Wahl von der Bevölkerung damit beauftragt, sie zu vertreten und in ihrem Interesse zu handeln.

Einerseits neugierig und andererseits mit erhobenem Zeigefinger wird es deshalb verfolgt, wenn sich ein Politiker Verfehlungen geleistet hat und diese nun ans Licht gekommen sind. Ein politischer Skandal spielt aber auch mit Blick auf die gesellschaftlichen und staatlichen Strukturen eine wichtige Rolle, denn Demokratie und Pressefreiheit sind die Voraussetzungen dafür, dass ein Skandal überhaupt öffentlich werden kann. 

 

Der Politskandal

Ein politischer Skandal kennzeichnet sich dadurch, dass ein Politiker ein Fehlverhalten an den Tag gelegt hat und deswegen in den Fokus geraten ist. Der Politiker muss Stellung beziehen. Dabei kann er sich verteidigen, die Vorwürfe abstreiten, Fehler einräumen oder schweigen und darauf hoffen, dass er die ganze Geschichte aussitzen kann.

Die Regierung und die Opposition müssen sich ebenfalls zu dem Sachverhalt äußern. Die Presse verfolgt die Entwicklungen genau und hält das Publikum auf dem Laufenden. Ob sich ein Fehltritt aber tatsächlich zu einem politischen Skandal ausweitet, liegt letztlich in der Hand der Öffentlichkeit.

Bleibt die große Empörung aus und ist das Interesse im Allgemeinen eher überschaubar, wenden sich auch die Medien recht bald anderen Themen zu. Insofern ist es weniger das Fehlverhalten des Politikers, das über das Ausmaß der Konsequenzen entscheidet, sondern vielmehr die Art, wie die Enthüllung kommuniziert wird und wie das Publikum auf die Meldung reagiert.

Experten für Politskandale ordnen Fehltritte von Politikern in unterschiedliche Rubriken ein. So wird unter anderem zwischen Korruption, Vetternwirtschaft, Amtsmissbrauch, Finanzaffären und Sittenskandalen unterschieden. In Deutschland stehen politische Skandale oft in Verbindung mit der Geschichte.

Da sowohl die Medien als auch die Öffentlichkeit in Punkten wie Nationalsozialismus und Stasi-Vergangenheit äußert sensibel sind, kann schon ein verbaler Ausrutscher schnell zum Thema werden. Anders als in den USA und in anderen europäischen Ländern sind Sittenskandale in Deutschland eher die Ausnahme. Ob ein Politiker alleinstehend ist, gerade zum fünften Mal geheiratet hat oder in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebt, wird keine großartige Bedeutung beigemessen.

Die Presse hierzulande zieht durchaus eine klare Grenze zwischen dem Politiker als Privatperson und dem Politiker im öffentlichen Amt. Das Privatleben von Politikern beschert bestenfalls – und sofern überhaupt – dem Boulevard-Journalismus gelegentlich eine Schlagzeile.

 

Die Pressefreiheit

In Deutschland sind Werte wie die Meinungs- und Informationsfreiheit, die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung im Grundgesetz verankert. Der Presse werden dadurch eine wichtige Rolle und gleichzeitig ein hohes Maß an Verantwortung zuteil.

Die Presse ist dafür zuständig, die Öffentlichkeit über aktuelle Geschehnisse zu informieren und damit die Basis für die Meinungsbildung zu schaffen. In einer Demokratie ist die Presse außerdem ein wichtiges Instrument, um politische Macht zu kontrollieren und Kritik daran zu üben.

Da die Presse somit eine Art Aufpasserfunktion hat, wird sie neben der Legislative, der Exekutive und der Judikative auch als die Vierte Gewalt im Staat bezeichnet. Die Presse hat die Möglichkeit, politisch-moralisches Versagen aufzudecken und publik zu machen. Fast alle politischen Skandale begannen und beginnen daher mit der Veröffentlichung in den Medien.

Eines der bekanntesten Beispiele für einen Politskandal, bei dem die Presse allen Widerständen zum Trotz ihre Aufgabe erfüllt und ihrer verantwortungsvollen Rolle gerecht geworden ist, ist der Watergate-Skandal. In Deutschland ist die Spiegel-Affäre ein berühmter Beleg dafür, wie ein Skandal die öffentliche Meinung prägen und beeinflussen kann.

Eine Enthüllung kann aber auch in die andere Richtung gehen. Als Beispiel dafür lässt sich Willi Brandt nennen, der unter Beschuss geriet, weil sein Berater Günter Guillaume ein DDR-Spion gewesen war. Ein Fehlverhalten von Brandt selbst hatte es nicht gegeben, doch trotzdem veranlasste der Skandal den Altkanzler zu seinem Rücktritt.

 

Politische Skandale und die Presse

Ein politischer Skandal hängt direkt mit einer demokratischen Grundordnung zusammen. Wo keine Demokratie herrscht, kann es keine freien Äußerungen über ein politisches Fehlverhalten und keine Kritik zu politischem Geschehen geben. Damit sich ein Skandal entwickeln kann, müssen drei Faktoren zusammenkommen.

So muss es 1. eine Presse geben, die den Skandal enthüllt. 2. braucht es Politiker und Experten, die dem Skandal eine gewisse Schärfe verleihen. Und 3. ist eine Öffentlichkeit notwendig, die sich für den Sachverhalt interessiert und sich darüber empört.

Allerdings darf ein Aspekt nicht in Vergessenheit geraten:

Die Presse handelt nicht nur aus ihrer Verantwortung heraus. Stattdessen stehen Unternehmen hinter den Medien, die Geld verdienen müssen und möchten. Eine spektakuläre Schlagzeile und eine gute Story lassen die Kasse klingen und die Auflage oder Quote steigen. Insofern ist es immer auch ein wenig Interpretation und Spekulation, ob ein Ereignis das Zeug zum handfesten Skandal hat.

Gefährlich wird es dann, wenn Belanglosigkeiten oder kleinste Fehltritte zu medialen Großereignissen aufgeplustert werden und die Berichterstattung nicht mehr der Wahrheitsfindung dient, sondern der Sachverhalt nur noch für die kommerzielle Vermarktung ausgeschlachtet wird.

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