Tipps zu journalistischen Interviews

Infos und Tipps zu journalistischen Interviews 

Interviews zu führen, gehört zu den wichtigen, typischen und sehr häufigen Aufgaben von Journalisten. Dabei lassen sich journalistische Interviews im Wesentlichen in drei große Gruppen einteilen. Zum einen gibt es solche Interviews, die Recherche- und Informationszwecken dienen.

Das bedeutet, der Journalist führt das Interview, um sich Informationen zu beschaffen, die er später dann in seinem Artikel verarbeitet. Zum anderen gibt es Interviews, die geführt und mit den Originaltönen dann im Fernsehen oder im Rundfunk ausgestrahlt werden.

Die dritte Gruppe beinhaltet Interviews, die geführt und anschließend in Form von Fragen und Antworten in Zeitungen und Zeitschriften abgedruckt oder im Internet veröffentlicht werden. Inhaltlich beschäftigten sich journalistische Interviews entweder mit einer Person oder einem Inhalt. Bei einem Interview zur Person steht diese Person im Mittelpunkt und wird ausführlich vorgestellt. Bei einem Interview zu einem Inhalt oder einer Sache geht es um einen bestimmten Sachverhalt, der in die Tiefe gehend und aus unterschiedlichen Blickwinkeln erläutert und hinterfragt wird.

Worauf der Journalist achten und wie er vorgehen sollte, wenn er ein Interview führt, fasst die folgende Übersicht mit den wichtigsten Infos und Tipps zu journalistischen Interviews zusammen: 

Die Vorbereitung auf das Interview

Bevor ein Interview geführt wird, sollte klar sein, welche Ziele und Absichten der Journalist verfolgt. Andernfalls wird der Journalist nur irgendwelche Fragen stellen, die keine wirklichen Informationen liefern und die zudem zu Missverständnissen führen können. Außerdem sind Interviewpartner in den meisten Fällen vorbereitet, wodurch der unvorbereitete Journalist Gefahr läuft, dass sein Gesprächspartner das Interview lenkt.

So kann dieser beispielsweise nur auf die Aspekte zu sprechen kommen, die ihn in einem positiv Licht erscheinen lassen, und gleichzeitig unangenehme Fragen geschickt umgehen. Für den Journalisten heißt das, dass er sich also zum einen Gedanken darüber machen sollte, welche Fragen er besprechen und welche Informationen er sammeln möchte. Zum anderen sollte sich der Journalist auf die Person oder den Inhalt vorbereiten.

Hierzu gehört, sich intensiv mit dem Interviewthema auseinanderzusetzen, beispielsweise die wichtigsten Stationen im Leben der Person oder die wesentlichen Aspekte der Sache zusammenzutragen. Ist klar, worum es in dem Interview gehen soll, muss sich der Journalist für eine Strategie entscheiden.

So kann er das Interview führen, in dem er chronologisch vorgeht und unterschiedliche Stationen und Phasen bespricht, er kann Thesen oder Leitbilder aufstellen oder er kann von Konflikten und kritischen Situationen ausgehen.  

Das Interview führen

Ein gutes Interview zu führen, ist gar nicht so einfach, denn es gilt, einen Mittelweg zu finden. Auf der einen Seite ist der Journalist derjenige, der die Zügel in der Hand hält und durch geschickte Fragen die Informationen und Aussagen in Erfahrung bringen möchte, die für ihn und die Leser interessant sind.

Zum anderen führt er ein Gespräch auf Augenhöhe. Nimmt der Journalist die Rolle eines Besserwissers oder eines Missionars ein, wird sich der Gesprächspartner nicht respektiert fühlen und in eine Verteidigungshaltung gedrängt sehen, aber dadurch vermutlich nichts Persönliches von sich preisgeben. Das bedeutet, der Journalist muss seinem Gesprächspartner zeigen, dass er ihn respektiert und wertschätzt, aber dennoch auch auf unangenehme Sachverhalte zu sprechen kommen möchte.

Als Richtlinie gilt daher, dass sich der Journalist im Wesentlichen auf drei Fragen konzentrieren sollte, nämlich wer, was und weshalb. Handelt es sich um ein Interview zur Person, sollte der Journalist also Fragen stellen, durch die deutlich wird, wer der Gesprächspartner ist und weshalb er bestimmte Dinge in der Form getan oder gesagt hat, wie dies der Fall war.

Handelt es sich um ein Interview zur Sache, geht es darum, was geschehen ist und weshalb sich der Sachverhalt in genau dieser Form entwickelt hat.   

Die Fragetechniken im Interview

Die Fragen in einem Interview gliedern sich in drei Gruppen. Zum einen gibt es die Fragen, die sich auf die Person oder den Inhalt beziehen und die gewünschten Informationen liefern sollen. Zum anderen gibt es Fragen, die ein bestimmtes Antwortverhalten beabsichtigen.

So können Gesprächspartnern, die nur kurze Antworten geben, offene Fragen gestellt werden, während sehr ausführlich antwortende Gesprächspartner durch geschlossene Fragen dazu gebracht werden können, ihre Antworten auf den Punkt zu bringen.

Schließlich gibt es noch Interaktionsfragen, durch die das Gespräch gesteuert werden kann. So kann der Journalist das Gespräch lenken, indem er beispielsweise fragend feststellt, dass sich sein Gesprächspartner bei diesem Thema unwohl zu fühlen scheint. Ein probates Mittel bei einem Interview ist außerdem, interpretierende Nachfragen zu stellen, um so weitere Informationen zu bekommen.

Wichtig ist aber, die Fragen klar und deutlich zustellen, keine Konjunktive zu verwenden und mit eher kurzen Fragen zu arbeiten, die sich auf einen Sachverhalt beziehen.

Andernfalls drohen zwei Gefahren. So kann es einerseits passieren, dass der Gesprächspartner nicht versteht, wonach er eigentlich gefragt wurde und ständige Rückfragen sind für den Gesprächsfluss sehr hinderlich. Andererseits wird sich ein erfahrener Gesprächspartner den Teil der Frage aussuchen, den er gut und gerne beantworten möchte und die anderen Aspekte möglicherweise unter den Tisch fallen lassen.  

Erfahrene Journalisten spielen ein Interview im Vorfeld durch, überlegen sich mögliche Nachfragen und bereiten Alternativfragen vor, wenn der Gesprächspartner über ein bestimmen Thema nicht sprechen möchte. Dennoch bedeutet das nicht, dass ein Interview streng nach dem vorbereiteten Konzept geführt werden muss. Ein Interview ist immer auch ein Gespräch, das sich entwickelt.

Insofern besteht die Kunst bei der Interviewführung darin, sich auf die Situation einzustellen, spontan genug zu sein, um auf Antworten reagieren zu können, aber gleichzeitig am Ende über die gewünschten Informationen zu verfügen.

Weiterführende Pressethemen und Anleitungen zur Redaktionsarbeit:

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